Colored Moth – DIM

| 26. August 2019 | 0 Comments
Colored Moth

(c) Wolves And Vibrancy Records

Manchmal gibt es nichts Schöneres, als sich lautstark Luft zu machen. Genau das scheint das Mantra von Colored Moth zu sein. Das Berliner Trio, im weiten Post-Hardcore-Feld verankert, grüßt bevorzugt aus dem Proberaum mit möglichst ruppigen, rohen Klängen und entlarvenden Texten. Denn selbst wenn nach außen hin eitel Sonnenschein zu herrschen scheint, sieht es im Innersten oft ganz anders aus. Dieser emotionale Spagat legt den Grundstein für das dritte Album „DIM“.

Die sperrige Präsentation ist für sich bereits ein Happening. Vier Zwischenspiele sowie das eine oder andere Intro widmen sich Ambient- und Noise-Klängen, strapazieren die Nerven im besten Sinne. Das gelingt auch den Songs selbst, wie „Letter To Aldous“ demonstriert. Als Opener widmet er sich zittrigen, durchaus an Botch erinnernden Klängen. Wo die Mathcore-Veteranen jedoch in komplexe Polyrhythmik abdriften, bemühen sich Colored Moth um beklemmende Atmosphäre und kaputtes Stakkato-Riffing, welches im nervösen „Whataboutism“ eine mehr als gelungene Fortsetzung findet.

Mit „Der blinde Uhrmacher“ wagt sich das Trio hingegen ganz weiter hinaus. Über das extralange Intro mit musikalischer Sinnsuche hangeln sie sich in einen komplexen Bildersturm, der vornehmlich von schroffen Bassläufen und harmonischen Zwischenspielen dominiert wird – ein gelungener Bruch mit so manch wütender Hardcore-Punk-Attacke, beispielsweise „The Social Darwinist Program“ oder „Maelstrom“. „H.Useless“ lässt die Entfremdung hingegen einmal mehr hochleben, zittert und bibbert, bevor ein ausgedehntes Outro gen Untergang trägt.

„DIM“ lässt sich gar nicht so leicht greifen, dafür häutet sich das dritte Studioalbum der Berliner einfach zu oft. Colored Moth lieben es, Haken zu schlagen, urplötzlich am Höhepunkt abzubrechen, nur um wenige Sekunden später Chaos und Wahnsinn Einzug halten zu lassen. Schroffe Harmonien und emotionales Kargland fassen die Abgründe der menschlichen Psyche prima zusammen und betonen zudem die Wichtigkeit des Themas Mental Heath – eine von vorne bis hinten runde Sache mit Nachdruck.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 29.08.2019 (digital) / 13.09.2019 (Vinyl)
Erhältlich über: Wolves And Vibrancy Records

Facebook: www.facebook.com/coloredmoth

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Category: Magazin, Reviews

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