Thermate – Redshift City

| 7. Mai 2019 | 0 Comments
Thermate

(c) Marko Paakkanen

Thermate möchten an die Grenzen des im Stoner-Mikrokosmos Machbaren gehen. Nach zwei EPs konnten sich die Finnen das Grundgerüst ihres Sounds erarbeiten. Die Heavy-Metal-Ursuppe der 1970er und sogar dezente Prog-Referenzen halten Einzug, ohne jedoch, wie sie selbst sagen, die Musik unnötig zu verkomplizieren. „Redshift City“ ist das Debütalbum des Quintetts aus Kuopio und reißt von der ersten Sekunde an mit.

Less is more, so oder so ähnlich ließen sich diese 42 Minuten zusammenfassen. Ein „Soliloquy“ bringt die druckvolle Präsenz der Skandinavier auf den Punkt. Natürlich halten hier lupenreine Stoner-Riffs Einzug und verneigen sich tief vor Kyuss, aber eben nicht nur. Breitbeinige Metal-Attitüde und ausladende Arrangierung drücken tiefer und tiefer in den Track hinein. Kurze Groove-Passagen, bleierne Heavyness und das wunderbar entrückte, entstellte Gitarrensolo wirken gleichermaßen vertraut und doch so angenehm frisch.

Natürlich wühlen Thermate in den Hochphasen ihrer musikalischen Lieblinge. Die unglaubliche Schwere des vergleichsweise kurzen Einschubs „Kaleidoscope“ kollidiert prima mit dem überlangen, zunächst nüchtern anmutenden Opener „Eyes Of Jupiter“. Fordere Vocals, gemächliche Präsenz und ein Hauch von Jam-Atmosphäre liegen in der Luft, die Band spielt sich nach und nach von den Erwartungen frei. „100 Years“ setzt sogar noch einen drauf, sowohl hinsichtlich Druck als auch Überlänge. Die Monstrosität will einfach nicht aufhören, kann aber ebenso wenig langweilen. Selbst die x-te kleinere Wendung mit frischem Melodieteppich nach knapp sieben Minuten unterhält.

Binnen Sekunden haben sich Thermate in einen Rauschzustand gespielt und lassen nicht mehr locker. Dicke Gitarrenwände, die stoische Rhythmusabteilung und der wunderbar zwischen den Welten und Genres wandernde Gesang sprechen Bände. „Redshift City“ ist natürlich eine Stoner-Entität, baut aber gerade so viel unorthodoxen, zusätzlichen Charme aus anderen Gefilden ein, um übergreifend zu wirken. Packende Tracks, wundersame Klangreisen und das geschickte Ausreizen eines kurzweiligen Leitmotivs sorgen für ein unheimlich packendes Debüt. Das kühne Versprechen ihrer Kleinformate konnten die Finnen locker einlösen.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 10.05.2019
Erhältlich über: Argonauta Records (Download-Album)

Facebook: www.facebook.com/Thermate

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Category: Magazin, Reviews

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