Skraeckoedlan – Äppelträdet

| 8. Oktober 2018 | 0 Comments
Skraeckoedlan

(c) The Sign Records

Manchen Alben hört man ihre Entstehungszeit deutlich an. Sie wirken – in Produktion und Musik – an gewisse Trends gebunden, in einer bestimmten Ära verhaftet und viel zu oft schon überholt. Und dann tauchen gelegentlich in Würde gealterte Platten auf, wie aktuell „Äppelträdet“. Das Debütalbum von Skraeckoedlan (der schwedische Titel des US-Monsterfilms „Panik in New York“ aus den 50er Jahren) erschien ursprünglich 2011 und war wegeweisend für den folgenden nordischen Stoner-Trend. Nun schafft es dieses Werk erstmals auch offiziell in den Rest der Welt.

Aufgenommen im Studio der Truckfighters, lässt sich eine gewisse Verwandtschaft zu den Fuzz-Königen und zu Stonewall Noise Orchestra erkennen. Der Titelsong watet beispielsweise knietief in süffigen Stoner-Sounds, begleitet von dezenten Fuzz-, Space- und Heavy-Einschlägen. Melodischer, leicht entrückter Gesang begleitet unspektakulär und doch mit Nachdruck – eindrucksvoll durch puristische Schlichtheit, das gibt es auch nur selten. Währenddessen wird der Track immer länger und länger, unternimmt wilde Klangreisen mit geschickter Saitenakrobatik, ordentlich Druck und ellenlangen Soli. Selbst ein Hauch von Prog Rock schwingt in diesem Fünfminüter mit.

„Universe“ bemüht sich hingegen um deutlich muskulösere Klänge, packt zwischendurch einen hymnischen Refrain aus und wechselt schließlich, ganz unvermittelt, in psychedelisch angehauchte Gefilde. Wer es hingegen geradlinig und hypnotisierend mag, lässt sich den Opener „Världarnas Fall“ um die Ohren blasen. Selbst die krude Saitenspielerei „Chronos“ geht auf, und doch ist es letztlich der düstere Space-Boogie von „Fågelsång“, der verbliebene Zweifel beseitigt. Getragene Töne, Space-Psych-Jams und Sci-Fi-Elemente tragen im besten Sinne dick auf.

Alte Platte, schwedische Texte, unverständliche Lyrics und stetes Abdriften in so ziemlich alle Himmelsrichtungen: „Äppelträdet“ versteckt den sprichwörtlichen Teufel im Detail. Hier lässt sich viel finden und entdecken, denn die Schere zwischen Anspruch und riffgeladenem Bauchgefühl will oft so überhaupt nicht auseinandergehen. Scheinbar konträre Welten liegen neben-, ja fast schon aufeinander – ein spektakuläres Erlebnis für sich, das nach viel, viel mehr verlangt. Ein zweites Album wäre bereits erschienen und hätte sich ebenso einen anständigen Re-Release verdient.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 12.10.2018
Erhältlich über: The Sign Records (Cargo Records)

Website: www.skraeckoedlan.com
Facebook: www.facebook.com/SKRAECKOEDLAN

Tags: , , , , ,

Category: Magazin, Reviews

Demonic-Nights.at - AKTUELLES