Lesser Glow – Ruined

| 8. Juni 2018 | 0 Comments
Lesser Glow

(c) Pelagic Records

Während sich vergleichbar doomige Post-Metal-Größen, wie Cult Of Luna und Sumac, aktuell vor allem in experimentellen Gefilden vergnügen, bleibt es einer neuen, jungen Generation von Bands vorbehalten, das Banner episch-progressiver Heavyness hochzuhalten. Hier treten nun Lesser Glow auf den Plan. Das Quintett aus Boston versteht sich auf zähe Schwere, narrative Vielschichtigkeit und 90s-Noise-Prog-Granden Marke Unsane und Failure. „Ruined“ ist, je nach Sichtweise, ihr Debütalbum oder ihre neue EP.

‚Je nach Sichtweise‘ – tatsächlich dauert dieser Einstand überaus knusprig-kompakte 25 Minuten und rauscht somit in Windeseile vorbei; meint man und lässt sich dennoch von bleiernen Wellen erfassen. Der eröffnende Titeltrack packt so ziemlich alles, was Lesser Glow ausmacht, in sechs wuchtige Minuten. Schroff legen sie los, reihen wütende Growls an beinahe Stakkato-artige Doom-Riffs. Aus dem Nichts bricht Klargesang durch die Wolken und sorgt für kurze Auflockerung. Die Riffs sind schwer, brachial und richtig schön kaputt, der stets Wechsel aus heiseren Shouts und feinsinniger Melodik trifft ins Schwarze. Hat man in dieser Form zwar schon gehört, aber selten so gut und pointiert.

Die zweite Monstrosität positioniert sich am anderen Ende des Albums. „Under The Polar Shade“ scheint sich zunächst auf vergleichsweise nachdenkliche Töne zu konzentrieren, nur um eine urplötzliche Explosion vorzuschieben. Geradezu martialische Eruptionen durchziehen das Arrangement, von verhalten eingängigen Momenten kurz unterbrochen. Aber auch zwischendurch, wie im abgefuckten „Vacant Throne“ oder dem mit Psychoterror-Gitarren ausgestatteten „Tel Meggido“, nehmen die US-Amerikaner keine Gefangenen.

Mag schon schein, dass man sich keine sonderlich revolutionären Erkenntnisse von dieser Platte erwarten darf, stark ist „Ruined“ aber allemal. Lesser Glow treffen wiederholt ins Schwarze mit ihrem komplexen und doch so klar arrangierten Mix, kurzweilig wie mitreißend, bärbeißig wie einfühlsam. Ihr Debüt unterhält mit cleverer Arrangierung und hörbarem Gefühl für riffgeladene Düsternis. Die explosive Zeitreise von 90s-Wurzeln bis in die Gegenwart lässt auf künftige Großtaten hoffen.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 08.06.2018
Erhältlich über: Pelagic Records (Cargo Records)

Facebook: www.facebook.com/Lesserglow

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Category: Magazin, Reviews

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