Usurpress – Interregnum

| 21. Februar 2018 | 0 Comments
Usurpress

(c) Johan Sodercrantz

Ausgefallenes trifft auf ungewöhnliche Einfälle: Der Sound der Schweden Usurpress sorgt seit geraumer Zeit für heiße Debatten, welche ihr viertes Studioalbum weiter befeuern wird. Um einen Jazz-Fusion-Schlagzeuger und einen Trance-Keyboarder ergänzt, treibt das Kerntrio seinen progressiven Death-Metal-Sound nun noch weiter fort in die verschiedensten Richtungen. „Interregnum“ entpuppt sich als martialische Geduldsprobe.

Wie breit das musikalische Spektrum auf dieser neuen Platte ausfällt, illustrieren die beiden ersten Songs perfekt. Zunächst hangelt sich „A Place In The Pantheon“ von Retro-Metal und druckvollen Fanfaren zu Dark- und Gothic-Klängen vor, bevor eine kurze Abfahrt gen Prog-Ursuppe folgt – intensiv, vertrackt und betont entrückt. Der folgende Titelsong reitet in aller Kürze – die zwei Minuten Marke wird nicht annähernd erreicht – durch Death-, Sludge- und sogar dezente Black-Metal-Gefilde. Interessanterweise wirkt gerade dieser ranzige, dezent angepunkte Höllenritt ein Stück zugänglicher.

Je länger die Tracks werden, desto kurioser und doch packender muten sie an – ein unorthodoxer Zwiespalt, der sich durch die gesamte Platte zieht. In „Ships Of Black Glass“ scheint sich der Sänger kurzzeitig zu erbrechen, bevor Querverweise auf In Vain Einzug halten, nur um im nächsten Moment gen Jazz und schließlich bärbeißigen Prog Metal zu schielen. Zuvor stürzte sich „Late In The 11th Hour“ durch doomigen Dark Metal, wütende Hackbrett-Attacken, ja sogar eine Spur Math und Avantgarde. Was ist eigentlich ein roter Faden?

Die Suche nach linearen Mustern wird auf „Interregnum“ nicht belohnt. Konstantes Ausbrechen aus jeglichen Konventionen, auf deren Einhaltung so und so gepfiffen wird, steuert beharrlich gegen klassisches Schubladendenken, geht allerdings auch zu Lasten des Hörgenusses. Usurpress wollen krampfhaft anders sein, tun sich aber gerade mit den etwas plakativen Dark- und Gothic-Exkursen keinen Gefallen. Sobald es jedoch etwas brachialer, proggiger oder sogar jazzig wird, nähern sich die Schweden sogar Enslaved’scher Klasse an. Der Weg zur großen Platte ist noch weit, die Richtung allerdings wohl eine feine.

Wertung: 7/10

Erhältlich ab: 23.02.2018
Erhältlich über: Agonia Records (Soulfood Music)

Facebook: www.facebook.com/Usurpress

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Category: Magazin, Reviews

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