AlNamrood – Enkar

| 22. Mai 2017 | 0 Comments
AlNamrood

(c) Shaytan Productions

Man kann den Mut und die Wichtigkeit einer Band wie AlNamrood aus Saudi-Arabien nicht ausschöpfend genug behandeln. In einem Land, in dem Apostasie, der ‚Abfall von Islam‘, mit der Todesstrafe geahndet werden kann, lassen die Herren glaubenskritische Texte auf metallische Extreme mit Black-Metal-Unterbau treffen – kein Wunder, dass die Musiker ihre Identitäten geheim halten müssen. Der einzigartige Sound AlNamroods geht auf „Enkar“ nun bereits in die sechste Runde.

Der Opener „Nabth“ (dt. „Geächtet“) fasst den angenehm ungewöhnlichen Sound in vier wilden Minuten zusammen. Wütender Black Metal als Fundament, garniert mit verschiedenen Einflüssen der extremeren Genre-Schule – hier schimmern beispielsweise immer wieder Ministry durch – sowie arabischen Texten und Instrumenten. Man muss die Lyrics nicht verstehen, um die wütende, furiose Intensität AlNamroods begreifen und in sich aufnehmen zu können. Mittlerweile dem Vernehmen nach als Trio unterwegs, wirken sie intensiver und fokussierter denn je.

Was „Enkar“ so spannend macht, ist seine ungemeine Bandbreite. Zwischen dem rein instrumentalen, folkloristischen „Egwaa“ und dem mit deutlicher Killing Joke-Schlagseite ausgestatteten Gummitwist „Xenophobia“ regiert der pure Wahnsinn. Schnell zeigt sich: AlNamrood brauchen keinen Exoten-Bonus, denn Tracks wie das bissige, entstellte „Estinzaf“ und der wahnwitzige, von faszinierenden Folk-Einflüssen geprägte Rausschmeißer „Entiqam“ zeugen von gewachsener musikalischer Klasse.

AlNamrood als metallischen Novelty Act abzutun, würde der Power, Dynamik und Wichtigkeit dieses Trios nicht gerecht werden. Großes persönliches Risiko und bärenstarkes Songwriting gehen auf „Enkar“ Hand in Hand. Das vielleicht beste Album der Saudi-Araber verdient vollste Aufmerksamkeit, weil sich einerseits wohl kaum eine zweite Metal-Band so viel Gefahr aussetzt, wenn sie ins Studio geht, und weil andererseits die Mischung aus arabesker Folklore und metallischer Brachialgewalt immer wieder aufs Neue zu begeistern vermag. Chapeau dafür.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 22.05.2017
Erhältlich über: Shaytan Productions (Download-Album)

Facebook: www.facebook.com/alnamroodofficial

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Category: Magazin, Reviews

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