OHHMS – The Fool

| 24. März 2017 | 0 Comments
OHHMS

(c) Holy Roar Records

Nach zwei wahnwitzigen EPs, welche die Grenzen von Doom und Sludge gekonnt ausreizten, melden sich Großbritanniens neuesten Düster-Hoffnungsträger endlich auf Albumlänge zurück. OHHMS rocken seit jeher dem britischen Underground und kündigen bereits Auftritte im Rest Europas an, um ihren Eroberungsfeldzug fortzusetzen. Mit im Gepäck: „The Fool“, eine knappe Stunde Wucht und Drama gespickt mit kleineren Überraschungen.

Ellenlange Songs entfalten ihre Wirkung erst mit Verzögerung, ja sogar immer wieder aufs Neue. Bestes Beispiel dafür ist „The Hanged Man“, das in seinen gut 13 Minuten reihenweise Veränderungen durchlebt und dabei doch stets als ein und derselbe Track erkennbar bleibt. Die hohe Kunst, mit minimalen Variationen Großes zu erschaffen und trotz kräftigen Eingriffen immer wieder zurück in die Spur zu finden, perfektionieren OHMMS hier, wenn sich zunächst mehrere Melodiestränge entladen, dann von Doom-Wucht niedergebrüllt werden und über viele kleine instrumentale Zwischenspiele zurück zum kernigen Stoner-Thema finden.

Gelegentlich verrennen sich die Briten ein wenig. Die Idee, mit „The Lovers“ einen folkigen Song einzufügen, der entfernt an U.S. Christmas erinnert, hat durchaus Charme. Allerdings wird ein gutes Grundthema bis zur Unkenntlichkeit ausgedehnt und setzt sich überdies sogar in den Anfangsminuten des Giganten „The Hierophant“ fort. Das 22-Minuten-Monstrum kriegt jedoch die Kurve und wird vor allem in der zweiten Hälfte zum Showcase für OHHMS. Virtuose Gitarrenarbeit, rhythmische Wucht und herrlich intensive, pointierte Vocals sorgen für Gänsehautgefühl am laufenden Band.

Gewisse Schönheitsfehler lassen sich nicht kaschieren, schwach ist „The Fool“ deswegen aber keinsfalls. Im Gegenteil, die ellenlangen Wuchtbrummen schaffen es trotz aller widriger Umstände, die Spannung hochzuhalten. Immer wieder explodiert das Pulverfass, überrascht zugleich mit faszinierender Melodik und filigranem Tiefgang. Geschmacksache? Absolut. Geduldspiel? Aber hallo! Und doch lohnt sich eine geschlagene Stunde mit OHHMS immer und immer wieder.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 31.03.2017
Erhältlich über: Holy Roar Records (AL!VE)

Facebook: www.facebook.com/OHHMStheband

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Category: Magazin, Reviews

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