Last Leaf Down – Bright Wide Colder

| 27. März 2017 | 0 Comments
Last Leaf Down

(c) Sibylle Huber-Jeker

Kaum eine zweite Band versteht es aktuell so gut, verschiedenste Spielwiesen fragiler und doch harter Musik gelungen miteinander zu kombinieren, wie Last Leaf Down. Die Schweizer machten im Spätherbst 2014 mit „Fake Lights“, einem Hybrid aus Shoegaze, Post Rock und Ambient, erstmals auf sich aufmerksam und heimsten vor allem eine Reihe an wohlmeinenden Vergleichen ein. Große Veränderungen blieben aus, und so ist beim Nachfolger „Bright Wide Colder“ der Name definitiv Programm.

Einen Favoriten aus diesen gut 54 Minuten herauszupicken, fällt ungemein schwer. So sperrig und zugleich weich „Bright Wide Colder“ anfangs auch wirkt, mit der Zeit entfaltet die Musik ihre volle Strahlkraft und lässt einzig richtige Wellenbrecher vermissen. Da wäre beispielsweise „Cold Wind“, dessen feine Texturen und singenden Gitarren Alcest und Mogwai mit wachsender Begeisterung zitieren, oder „Youth“, das ein klein wenig an einen balladesken Gegenentwurf zu gängigen Post-Rock-Schemata erinnert.

Gleich zu Beginn wagen Last Leaf Down mit „Purple Skies“ eine höllische und doch verhaltene Abfahrt zwischen Muse, Plüsch und Gazpacho, die zwar ordentlich unter die Haut geht, jedoch den letzten gewaltigen Rumms nach dem Falsett-Einsatz vermissen lässt. Die Schweizer halten nichts von musikalischen Explosionen – die bissige Gitarrenfront von „Deaf Heart“ ist das Maximum an Distortion und Wucht. Wer allerdings so gelungene wie verquere Ambientgaze-Killer wie „Suspire“ schreibt, muss nicht unbedingt hinsichtlich Lautstärke und Verzerrung aus sich herausgehen – echte Gefühle reichen vollkommen.

Wie schon beim Erstling, braucht auch „Bright Wide Colder“ seine liebe Zeit, bevor sich die unverkennbare Magie der 13 Songs vollends entfaltte. Minutiöse Liebe zum Detail und fragile Arrangements verlangen alles ab und werden zum Geduldspiel. Nach und nach fügen sich die einzelnen Teile zusammen und ergeben gar Großartiges. Unheimlich dichte, wechselhaft wogende und emotional aufgeladene Tracks begeistern mit Verzögerung – Last Leaf Down haben es einmal mehr geschafft.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 31.03.2017
Erhältlich über: Lifeforce Records (Soulfood Music)

Website: lastleafdown.ch
Facebook: www.facebook.com/lastleafdown

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Category: Magazin, Reviews

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