Nailed To Obscurity – King Delusion

| 30. Januar 2017 | 0 Comments
Nailed To Obscurity

(c) Kerstin Brümmer

Den Namen haben sie sich von einem Track auf dem Erstling von Hate Eternal geliehen, der Sound stammt von skandinavischen Melancholikern – dass es sich bei Nailed To Obscurity eigentlich um deutsche Nachbarn handelt, hört man erst einmal nicht. Seit 2005 pflegt das Quintett aus der ostfriesischen Kleinstadt Esens seinen melodischen, verletzlichen Death-Doom-Sound und konnte so manche hochverdiente Achtungserfolge feiern. „King Delusion“ setzt nun einen drauf.

Das zweite Album mit Frontmann Raimund Ennega wirkt wie aus einem Guss und verbindet bittere Süße mit wütenden Ausritten. Bereits der eröffnende Titeltrack wird zum Showcase für die Deutschen. Zwischen schmerzerfüllten Strophen mit Klargesang und gemächlichen, gegrowlten Passagen verdichtet sich die Atmosphäre im Nu, sorgt für gleichermaßen wunderschönes wie beklemmendes Knistern. Multiple kleine Explosionen, Tempoverschärfungen und sogar ein Hauch von Groove durchziehen diesen starken Opener.

Selbst die große Hürde ‚Überlänge‘ meistern Nailed To Obscurity gekonnt. Für „Uncage My Sanity“ kommen sie auf stolze zwölf Minuten Spielzeit und schaffen es dennoch, dieses Monstrum fast durchgehend spannend zu halten. Einzig der Soloteil mit anschließender Ruhephase zieht sich ein klein wenig, macht als klassisches Auge im Sturm dramaturgisch allerdings absolut Sinn. Dass ausgerechnet der vermeintliche Sprinter „Deadening“ zäh ausfällt, bringt eine gewisse Ironie mit sich, wird jedoch vom mächtigen „Memento“ und dem abschließenden „Desolate Ruin“ locker kaschiert.

Schließlich kommen diese intensiven 54 Minuten letztlich doch viel zu schnell zu einem Ende, kaum hat man sich im todtraurigen und doch verhalten hoffnungsvollen Mikrokosmos der Ostfriesen eingelebt. „King Delusion“ mag kleinere Schwächen aufweisen, geht als intensives Gesamtkunstwerk mit gleich mehreren Highlights jedoch so richtig unter die Haut, beißt sich fest, blutet aus und wiegt in ewigem Schlaf. Nailed To Obscurity sind nun endgültig angekommen.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 03.02.2017
Erhältlich über: Apostasy Records (Edel)

Website: www.nailedtoobscurity.com
Facebook: www.facebook.com/nailedtoobscurity

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Category: Magazin, Reviews

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