Inter Arma – Paradise Gallows

| 8. Juli 2016 | 0 Comments
Inter Arma

(c) Relapse Records

Ein Song, 46 Minuten – mit diesem kalkulierten Wahnwitz machten Inter Arma vor knapp zwei Jahren auf sich aufmerksam. Mehr noch, „The Cavern“ spannte einen geschickten Bogen von Sludge zu Folk zu Black Meal. Nun experimentiert das US-Quintett weiter. Dieses Mal sind es sogar stolze neun Tracks geworden mit einer Spielzeit von über 70 Minuten. „Paradise Gallows“ wirkt noch eine Spur wuchtiger und dramatischer, experimentiert außerdem erstmals mit Klargesang.

Der musikalische Spagat auf diesem Album könnte kaum größer sein. Während „Where The Earth Meets The Sky“, das überlange Outro, ein Lagerfeuer-tauglicher Folk-/Americana-Track ist, zieht „Primordial Wound“ abstoßend hässliche Sludge- und Doom-Gräben mit so ziemlich allen Extremen, die diese Genres zu bieten hat. Heisere Vocals treffen auf beschwörende Chants, schmerzvolles Zeitlupen-Tempo geht an die Substanz – eine Wuchtbrumme für Hartgesottene.

Bloßes Auflisten der zig Einflüsse und Referenzen könnte ganze Seiten füllen. Vielleicht reichen die elf Minuten von „Violent Constellations“ aus, das von Black-Metal-Geballer über post-metallische Apokalypse bis zu Noise-Sludge-Verwesung reicht. Stark auch „The Summer Drones“, das angekündigte Experiment mit Clear Vocals – eine spirituelle Grenzerfahrung, die stellenweise an Swans erinnert, in den heftigen Momenten die teuflische Melodik früher Kvelertak an den dreckigen Biss von Darkthrone und Cough reiht. Anders gesagt: ein Höllenritt par excellance.

Mal melodisch und semi-akustisch, dann wieder harsch und brachial: „Paradise Gallows“ durchlebt ein Wechselbad der Gefühle. Das musikalisch breitere Auftreten bekommt Inter Arma hörbar gut, denn auch wenn nicht jede Idee (sofort) zündet, der durchaus einzigartige Spannungsbogen setzt konstant neue Highlights und unterstreicht die Ausnahmestellung dieser Band. Klar, das Album ist einen Tacken zu lange geraten, auch müsste nicht jedes Zwischenspiel sein, doch der hier eingeschlagene Weg fasziniert, begeistert durchaus. Langsam aber sicher nähern sich die Herren aus Richmond, Virginia dem kreativen Höhepunkt ihrer Karriere.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 08.07.2016
Erhältlich über: Relapse Records (Rough Trade)

Facebook: www.facebook.com/INTERARMA

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Category: Magazin, Reviews

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