Promethee – Unrest

| 3. September 2015 | 0 Comments
Promethee

(c) Lifeforce Records

Herausforderung ist ein Schlüsselwort für die Schweizer Promethee, sowohl auf sich selbst als auch auf die geschätzte Hörerschaft bezogen. Das Quintett aus Genf, 2008 gegründet, steht für einen wuchtigen, komplexen Stilmix zwischen melodischer Moderne und vertrackter Mathematik, vereint Hardcore-Nachwehen und progressive Beobachtungen unter einem Banner. Nach dem starken Debüt aus dem Jahr 2012 sind sie bei Lifeforce Records gelandet, wo „Unrest“ nun neue, alte Wege beschreitet.

Leicht verdaulich oder gar bekömmlich sind die nun folgenden 50 Minuten keineswegs, über weite Strecken schwere Kost, gänzlich ohne Magenbitter serviert. Gerade darin liegt der Reiz Promethees – sie haben erst gar keine Lust, jedwede Kompromisse einzugehen, schrammen konsequent an Trendreiterei vorbei und glänzen mit einer Reihe an vertraut wirkenden Einflüssen, die doch so angenehm neu und unverbraucht serviert werden. Man ziehe bloß „Frostbite“ als Beispiel heran. An vierter Stelle gelegen, tauchen die melodischen Elemente tief in die Prog-Schule der 90er ein, ergeben sie in Kombination mit Core-Growls und -Shouts einen Hauch von entstelltem Metalcore-Flair und wirken trotz angedeutetem Chaos stets in sich geordnet.

Diese flirrende, unorthdoxe und auf perverse Weise dennoch eingängige Masse funktioniert aber, weil die Schweizer konsequent um mehrere Ecken denken und mutige Hörer es ihnen gleich tun werden. Vor allem aber sollte Geduld mitgebracht werden, denn bis sich die teils höchst eigenwilligen Konvulte entwirren, braucht es so manchen Durchlauf. „Inert And Bound“ beispielsweise deutet Djent an, macht aber einen großen Bogen drumherum, spielt kurz mit Tech Death, wirkt unterschwellig balladesk und doch so hoffnungslos. „Unspoken“ hingegen klingt nach Post-Hardcore-Springt, nimmt aber mit fortlaufender Spielzeit vermehrt klaustrophobe Züge an.

Auch wenn sich das abschließende „Echoes Of The Universe“ ein wenig verfransen mag – selbst nach mehreren Durchläufen wollen sich das langatmige Intro und das nicht minder schwerfällige Zwischenspiel einfach nicht erschließen -, bleibt von „Unrest“ wohlwollendes Staunen zurück. Im positivsten Sinne eigenständig, brachial, urgewaltig und verdammt clever durchschreiten Promethee dieses Konvolut, setzen vereinzelt Ausrufezeichen und ermutigen letztlich doch, diese entstellte Masse in der komplexen Gesamtheit zu erhören, zu erkunden, zu ertasten – eine lohnenswerte Aufgabe für Fortgeschrittene.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 04.09.2015
Erhätlich über: Lifeforce Records (Soulfood Music)

Website: www.prometheemusic.com
Facebook: www.facebook.com/prometheemusic

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Category: Magazin, Reviews

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