Keine Gnade! – Die Blind Petition Story

| 8. Dezember 2014 | 0 Comments
Blind Petition

(c) Pure Steel Promotion

Es kommt zusammen, was zusammengehört. Zwei Institutionen, wenn man so will. Zwei Fixsterne der österreichischen Rockszene – einer stets im Vordergrund, der andere im Hintergrund. An Blind Petition führt so und so kein Weg dabei. Mit der Veröffentlichung von „Law & Order“ begingen die Mannen um das einzige verbliebene Gründungsmitglied Hannes „Fusel“ Bartsch“ in diesem Jahr ihren 40. Geburtstag. Passend zum speziellen Anlass hat Andi Appel, selbst mit zwei Jahrzehnten Erfahrung als PR-Agent und Journalist gesegnet, sein erstes Buch veröffentlicht; eine Bandbiographie noch dazu. „Keine Gnade! – Die Blind Petition Story“ ist ein witziger, ehrlicher und in jeder Silbe stimmiger Rückblick auf eine Rockgeschichte made in Austria, natürlich mit freundlicher Unterstützung von Fusel.

Fusel nimmt auf dem Cover eine klassische Pose ein, mitten im Moment, absolut in seinem Element – ein Eindruck, der sich im Laufe der Lektüre festigt. Hannes Bartsch lebt für die Bühne, und das seit jungen Jahren. Die Geschichte Blind Petitions ist vor allem die Geschichte dieses Originals, das in 40 Jahren nur eine Handvoll Gigs seiner Band verpasst hat, hauptsächlich aus beruflichen Gründen. Fusel hat es früh verstanden sich durch einen Job bei der ÖBB abzusichern. Dadurch mag zwar so manche Chance für seine Band nicht aufgegangen sein – heute ist er pensioniert und hat nach wie vor unheimlich Bock auf die Musik -, mit dieser soliden Basis verstand er es jedoch für sich und für seine Familie zu sorgen.

Immer wieder kommt er direkt zu Wort, gerne durch ein markiges „Fusel faselt:“ eingeleitet, und dient mit zahlreichen Anekdoten, die Andi Appel zu gut 200 Seiten kurzweiliger Unterhaltung verbindet. Appel bereitet Hintergrundwissen zu Band und Person auf, behält den Überblick über die irrwitzigen Lineup-Wechsel in der langen Geschichte der Rocker und schafft durch zeitgeistige Fakten einen launigen Rahmen, der die verschiedenen Blind Petition-Epochen in einen entsprechenden zeitlichen Kontext setzt. Kleinere faktuelle Ungereimtheiten (eine Fußball-EM wird gerne zur WM) werden gerne verziehen, zu unterhaltsam ist diese Zeitreise mit grandiosem Passagier.

Fusel gibt sich launig, charmant, dabei aber nüchtern und ehrlich. Er beschönigt keinen Exzess, keine Fehlentscheidung, keine gescheiterte Personalie, verzichtet dabei aber ebenso auf böses Blut. Wer auf einen Sozialporno hofft, suche schnell das Weite. Dafür gibt es großartige Anekdoten en masse, darunter das im Prolog erwähnte Konzert in der Ukraine, die nicht minder legendäre Manner-Werbung, der versoffene UFO-Soundcheck, der Pop-Odrom-Band-Contest. Gekleidet in Appels klare und doch blumige Sprache, wird kein Lacher ausgelassen, keine Träne umsonst verdrückt, jedes Riff im Kopf nachgespielt, vermeintliche, durch die damalige Journaille hochstilisierte Musikerkriege -pardon! -veräppelt und mit Unverständnis quittiert.

Tatsächlich kennt diese Bandhistorie „Keine Gnade!“. Blind Petition sind vier Jahrzehnte nach Gründung frischer denn je mit inzwischen drei Bartsch-Musikern (neben Fusel und Bruder Bertl sitzt Fusels erst 16 Jahre alter Sohn Harald am Schlagzeug) und einer ungekünstelten Ehrlichkeit, die in Appels biographischer Schilderung immer wieder durchkommt. Kein Wort zu viel, kein Wort zu wenig, keine Effekthascherei, keine Sensationsgeilheit: Die offizielle Blind Petition-Story ist ein von vorne bis hinten stimmiges, lesenswertes Buch, unwahrscheinlich authentisch und deftig, dabei aber auch intelligent, durchdacht, auf gewisse Art und Weise lieb, ja sogar einfühlsam. Appels erstes Buch ist ein großartiges Musikbuch, das man als gestandener Rockfan in seinem Regal stehen haben sollte.

Wertung: 9/10

Erhältlich ab: 02.10.2014
Erhätlich über: resonance Verlag

Website: www.keinegnade.at
Facebook: www.facebook.com/BlindPetition

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Category: Local Bands, Magazin, Reviews

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