Vainaja – Kadotetut

| 21. Mai 2014 | 0 Comments

Vainaja

Spätestens seit Hamferð weiß man, dass Konzeptalben auch dann funktionieren können, wenn man die Texte nicht versteht. So auch bei Vainaja (dt. „verstorben“): Das finnische Death-Doom-Trio berichtet über das schandhafte Handeln eines Kultes aus dem 19. Jahrhundert um den Pfarrer Wilhelm, Kantor Kristian und Totengräber Aukusti, die ihr Schrecken im Anwesen des Kantors trieben. Blasphemie, rituelle Opfermorde und lebendige Begrabungen versklavter Dorfbewohner standen laut verschiedener Aufzeichnungen auf der Tagesordnung. „Kadotetut“ (dt. „verloren“) berichtet davon.

Querverweise zu den Label-Kollegen Kuolemanlaakso, frühen Morbid Angel und Candlemass werden billigend in Kauf genommen, wenn nach dem instrumentalen Opener schließlich „Väärän Ristin Valtakunta“ einsetzt. Ein Glockenschlag bringt den bleiernen, stampfenden Track auf Kurs. Gutturale Growls, Geknurre, ja sogar Sprechgesang sorgen für Grabesstimmung, die dezenten Melodie- und Keyboard-Sprengsel verleihen diesen ersten fünf Minuten einen gleichermaßen sakralen wie gespenstischen Anstrich. Passend dazu: die furztrockene aber doch klare Produktion mit rasselndem Schlagzeug im Uptempo-Part.

Abgesehen von kleineren Zwischenspielen marschieren Vainaja in weiterer Folge herrlich kompromisslos durch ihr lyrisches Tal des Schreckens. „Valon Lapset“ wird von fiesem Death Metal-Geballer und mächtigen Gitarrenwänden geradezu zersägt, während „Viimeinen Tuomio“ – überlanges Intro hin oder her – den Doom-Habitus des Trios auf den Punkt bringt. Mit stattlicher Überlänge weit jenseits der Sieben-Minuten-Marke, rührseligen Untertönen und Zeitlupen-Weltschmerz erzeugt „das letzte Gericht“ (so die deutsche Übersetzung des Songs) konstant Gänsehaut, während sich Horrorvisionen vor dem inneren Auge abspielen.

Im Fall von „Kadotetut“ hört das Auge tatsächlich mit. Schlichte musikalische Mittel, martialische Arrangements und hasserfülltes Understatement erzählen widerwärtige, schwer verdauliche Geschichten aus vergangenen, wohl aber nicht so fernen Zeiten. Vainaja zerren eine unrühmliche Episode der finnischen Geschichte an die Oberfläche und debütieren damit überaus eindrucksvoll, stets von undurchsichtigen Nebelschleiern und Hagelschauern begleitet.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 23.05.2014
Erhätlich über: Svart Records (Cargo Records)

Facebook: www.facebook.com/vainaja

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Category: Magazin, Reviews

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