Drawers – Drawers

| 7. Februar 2014 | 0 Comments

Drawers

Als Stoner-Sludge-Band hat man in Frankreich ohne Frage Exotenstatus. Kein Problem für das Quintett Drawers, das bereits 2011 mit dem Debütalbum „All Is One“ sowie ein Jahr später in Form einer Split mit Hangman’s Chair aufhorchen ließ. Für die neue Platte gibt man sich nun noch spartanischer, zweckorientierter und gleichzeitig heavier. Schlicht „Drawers“ betitelt, bietet diese halbe Stunde Balsam auf die geschundenen Seelen von Menschen, die die Prog-Exkurse von Mastodon und Baroness nicht mitmachen konnten und / oder wollten.

So geradlinig, wie sich das nun möglicherweise anhören mag, sind Drawers freilich nicht unterwegs. Ihr mit Doom-Versatzstücken versetzter Riffteppich wirkt hibbelig, gelegentlich desorientiert und gerade deswegen charmant. Den vielleicht größten Hit ihrer zweiten Platte feuert das Quintett gleich zu Beginn ab. „Once And For All“ stürzt sich nach einem Mini-Intro mitten ins Geschehen, Schaum vorm Mund, Rasierklingen auf den Saiten. Nicolas Bastides Vocals (mit Déhà nicht verwandt oder verschwägert) drohen anfangs, gerade in Kombination mit der überaus direkten Produktion, zu erdrücken, doch im etwas doomigen Abgang zeigt der gute Mann, dass er singen kann.

Was nun folgt, ist eine regelrechte Armada an Hits und Überraschungen. Mit dem archetypischen Stoner-Habitus haben die Franzosen rein gar nichts am Hut. „It’s All About Love“ beginnt im Mittelteil unvermittelt zu zucken mit wütenden Growls, Schaum vorm Mund und alter, schwedischer Schule. In „Words“ werden alte Grunge-Riffs und Schlachtengesänge verwurstet, eingebettet in doomige Finsternis und ein Psychoterror-Finale der alten Melvins-Schule. Wenn zur Halbzeit schließlich „Take Stock“ das Tempo stellenweise komplett rausnimmt und wie das sprichwörtliche Auge des Sturms monströse Groove-Druckwellen freisetzt, stimmt alles.

Wenn man dem zweiten Drawers-Album etwas vorwerfen kann, dann ist es seine fehlende Länge. Eine gute halbe Stunde Spielzeit ist zu wenig, gerade angesichts dieser multiplen Höllenritte. Dass gleichzeitig keiner der neun Songs Schwachstellen aufweist – auch wenn man den einen oder anderen Durchlauf benötigt, um reinzufinden – spricht wiederum für das Quintett. Packende, bissige Riffs treffen auf martialische Grooves, bleiernen Doom und kleine Experimente, die Scheuklappen aufbrechen, dabei aber nicht vor den Kopf stoßen. Kurzum: „Drawers“ ist so etwas wie die Stoner-Sludge-Blaupause für die nächste Generation.

Wertung: 9/10

Erhältlich ab: 11.02.2014
Erhätlich über: Kaotoxin Records (Frankreich-Import)

Facebook: www.facebook.com/drawerskvlt

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Category: Magazin, Reviews

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