Blueneck – Repetitions

| 20. September 2011 | 0 Comments

Blueneck

Auf ihrem dritten Album bleibt für die Post Rock-Outlaws Blueneck alles anders. Das Quintett aus Bristol zehrt von einem gewissen Außenseiter-Dasein in einem alles andere als konformistischen Genre, bedingt durch ihren überaus ruhigen, melancholischen Sound mit neo-romantischer Klavier-Dominanz. Erstmals produzierte man in der urbanen Heimatstadt und entkam damit dem ländlichen Einsiedler-Dasein. Darüber hinaus überzeugte Produzent Mat Sampson die Band davon, von digitalen Spielereien Abstand zu nehmen und vermehrt auf analoge Gerätschaften zu setzen. Entsprechend organisch klingt das weitestgehend live eingespielte „Repetitions“ – Bluenecks bislang feinste Stunde.

Diese neue Herangehensweise wird bereits beim Opener „Pneumothorax“ hörbar. Zunächst von minimalistischer Instrumentierung und zögerlichen Vocals gesteuert, entwickelt sich in der zweiten Hälfte eine dramatische Abfahrt mit Streicher-Einsatz, Piano und schweren Gitarren – Kellermensch auf Post Rock, wenn man so will. Auch „Sawbones“ bewegt sich in ähnlichen Bahnen, gibt sich zunächst fragil, beinahe nackt, getragen von Kopfstimme, beinahe gehauchtem Gesang, bevor zum Schluss hinaus wieder Klavier und Drums übernehmen, von Schwermut gezeichnet Krokodilstränen vergießen. Nach fünfeinhalb Minuten sackt der Song in sich zusammen – kraftlos, müde, emotional ausgelaugt.

‚Rührung‘ ist ein Schlüsselwort für Blueneck – die Arrangements gehen nahe, die gefühlte Trost- und Hoffnungslosigkeit in „Sleeping Through A Storm“ oder „Barriers Down“ greifbar, die gewaltige, beinahe in Noise-Gefilde abdriftende Explosion in „The Last Refuge“ nachvollziehbar, als kathartisches Stilmittel zu verstehen. Möglicherweise ist „Repetitions“ stellenweise zu ruhig für Post Rock-Fans, zu düster, zu schwermütig. Vielleicht braucht es einen nebligen Herbsttag, um die Stimmung dieses Albums vollends zu greifen. Ohne Wenn und Aber: Blueneck haben ihre Nische gefunden, liefern ergreifende Kompositionen und präsentieren von einem überaus warmen, wulstigen Sound, der gleichermaßen fragil und druckvoll ist, der die innere Zerrissenheit dieser Platte auf den Punkt bringt und unterstreicht. Pure Magie.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 23.09.2011
Erhätlich über: Denovali Records (Cargo Records)

Website: blueneck.com
Myspace: www.facebook.com/blueneckuk

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Category: Magazin, Reviews

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