Raunchy – Prisoner

(c) Martin Paldan
Das hat etwas von einem Homecoming: Raunchy melden sich mit ihrem ersten Album seit dem 2014 erschienenen „Vices.Virtues.Visions.“ zurück. Damals stellten die Dänen Mike Semesky (u.a. Intervals, The HAARP Machine) als neuen Mann fürs Grobe an vorderster Front vor, räumten ordentlich ab … und tauchten dann erst einmal jahrelang unter. 2021 gab es ein erstes musikalisches Video-Lebenszeichen mit Drum-Aufnahmen und ersten Vocals, danach dauerte es nochmals eine ganze Weile. Nun ist „Prisoner“ da, erstmals seit einem Vierteljahrhundert wieder bei der alten Heimat Mighty Music unterwegs und mit dem vertrauten Mix aus Melodic Death, Industrial, Metalcore und Alternative versehen. Sowie einer kräftigen Portion Synthie-Pop.
Letzterer Posten wird die Geister ein wenig scheiden, funktioniert aber nur einmal überhaupt nicht: Der abschließende Titelsong „Prisoner“ erinnert an OneRepublic sowie die üble Radio-Rock-Phase von Linkin Park und plätschert ereignisarm vor sich hin. Wie es gehen kann, zeigt direkt davor das ellenlange „Vanishing Act“. Auch hier regieren zunächst melodische, brodelnde Momente und eine gesunde Portion Pop, jedoch deutlich besser in den Bandsound eingebunden. Der nimmt mit jeder Schleife mehr Fahrt auf, darf zwischenzeitlich angenehm cheesy ausfallen, nur um in der zweiten Hälfte so richtig auszurasten. Am vertrauten Scheideweg zwischen Industrial und Melodic Death drehen die Dänen am Rad.
Das fühlt sich angenehm vertraut an und ist nur eines von mehreren kleinen Glanzlichtern. Die 80s-Synth in „Designed Despair“ hat etwas Kultiges an sich, Semesky zerbrüllt das Ding in den kompromisslos marschierenden Strophen gewohnt rabiat und Jeppe Christensen übernimmt den weiterhin exzellenten Klargesang. Der steht auch im frontalen, angethrashten „Stranded“ im Mittelpunkt und zeigt Raunchy als erbarmungslose Sprinter, die Voyager-Hooks mit Fear Factory-Nackenschlägen verbinden. Das monumentale „Masquerade“ atmet zwischendurch sogar leicht proggige Luft, kramt eine ESC-Melodie aus dem Archiv und explodiert in aller Gemächlichkeit.
Sieht man vom abschließenden Durchhänger ab, gelingt Raunchy ein absoluter Husarenritt von der ersten bis zur letzten Minute. Den Wahnsinn des Vorgängers erreichen die Dänen nicht ganz, bieten aber höchste Unterhaltung. „Prisoner“ ist hochgradig melodisch, überaus heavy und bis obenhin voll mit starken Riffs. Die Synth-Einflüsse funktionieren prima, Pop ist (zumeist) eine richtig gute, nicht ganz unbekannte Facette und die vertraute Überlänge mit zig Wendungen, erstaunlich proggigen Ausritten und unverschämt eingängigen Kontrasten macht Laune. Auch nach all dieser Zeit bleiben Raunchy die ungekrönten Könige des melodisch-derben Wahnsinns. Demnächst auch wieder live zu sehen.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 14.08.2026
Erhältlich über: Mighty Music (Cargo Records)
Facebook: www.facebook.com/ronniband


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