Rezn – Cycles In The Infinite Dream

(c) Tom Birch
Erst melodisch und zugänglich, dann schroff und zerstörerisch: Rezn verteilten das Ergebnis ihrer letzten Aufnahmesession auf zwei unterschiedliche Alben und loteten damit ihren Sound umfassend aus. Nun finden beide Welten zusammen und suchen den Mittelweg zwischen drückender Härte und feiner Klinge. „Cycles Of The Infinite Dream“ landet sich in der Verknüpfung von Traumwelt und Wachzustand und lotet unwirkliche, bewusstseinsverzerrende Zwischenwelten auf vielschichtige Weise aus.
Die ersten beiden Tracks unterstreichen diese Entwicklung gekonnt. „Rites Of Passage“ braucht eine halbe Minute, um in den Song zu finden, dann nehmen Rob McWilliams‘ glockenhelle Vocals das Heft fest in die Hand und gesellen sich zu proggiger Unwirklichkeit. Gewisse Vergleiche mit spacigen Mastodon drängen sich förmlich auf, schwebt das Quartett aus Chicago doch ebenfalls im gefühlt luftleeren Raum und lässt sich selbst von der Heavyness im Schlussakt nicht aus der Fassung bringen. Danach erhöht „Transient“ die Schlagzahl ein wenig. Unter der Oberfläche brodelt es, doch der vermutete Wahnsinn bleibt aus. Ein Saxofon-Solo übernimmt stattdessen, später gesellen sich Synths zu maximal verzerrten Gitarren.
Rezn lehnen sich maximal zurück und bleiben doch angriffslustig. Wie in „The Vessel“ mit dem vielleicht besten Riff des gesamten Albums, das erstaunlich wüst nach vorne geht und wiederholt von psychedelischem Gaze im Zaum gehalten wird. Konsequent werden etwaige Ausbruchsversuche zurückgehalten, während die Songs fast unbemerkt immer größer werden. In „Aerial Birth“ dominiert beispielsweise die luftige, eigentlich zurückgenommene Atmosphäre, die viel Platz für Meditatives lässt und erst spät etwas Dreck auspackt. Richtig wütend wird es nur selten, wie in „Primal Thread“. Dass auf den verträumten Track mit Psych- und Synth-Einschlag eine finstere, fast martialische Coda mit brutalen Nackenschlägen folgt, kommt überraschend.
Alles andere als überraschend ist hingegen die herausragende Klasse dieses Albums, dessen wahnwitzige Intensität selbst in nachdenklichen Momenten nicht so schnell loslässt. Mehr denn je geben sich Rezn Psych und Prog hin, reduzieren die metallischen Anteile weiter und sind sich dennoch nicht zu schade, gelegentlich mit Anlauf auf die Kacke zu hauen. Die große Genialität von „Cycles In The Infinite Dream“ liegt aber in der Art und Weise, wie die dichte, immersive Atmosphäre mal eben alles in Beschlag nimmt und geradezu leuchtet. Intim und zugleich monumental anmutende Songs, ganz viel Fingerspitzengefühl für melodische Großtaten und komplexe, gleichzeitig spielerisch erscheinende Arrangements faszinieren auf eine schwer in Worte zu fassende Weise. Rezn legen ihr bislang bestes Album vor – und doch wird man das Gefühl nicht los, dass sie gerade erst am Anfang stehen.
Wertung: 9/10
Erhältlich ab: 24.07.2026
Erhältlich über: Sargent House (Cargo Records)
Website: www.rezn.band
Facebook: www.facebook.com/reznband
Slider-Pic (c) Tom Birch


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