Haken – in a fever dream

| 13. Juli 2026 | 0 Comments
Haken

(c) Oli Kember

Aus sechs mach vier: Anfang des Jahres gaben Haken den Ausstieg von Gitarrist Charles Griffiths und Bassist Conner Green bekannt, Nachfolger wurden bislang nicht benannt. Was das genau für den Sound bedeutet wird, zeigen die nach wie vor mit vier Gründungsmitgliedern operierenden Engländer nun. Nach diversen Singles erscheint „in a fever dream“ als EP – zunächst rein digital, bevor die fünf Tracks am 18. September auch als CD und Vinyl nachgereicht werden sollen. Die erste Standortbestimmung lässt auf jeden Fall aufhorchen.

Verträumtes Keyboard, angetäuschte Schwere und Ross Jennings‘ mit Hall beladener Gesang aus der Tiefe des Arrangements – ein erstaunlich verspielter, poppiger Auftakt täuscht, denn Haken schlagen einen selbigen und bemühen moderne Heavyness. Das Wechselspiel zwischen verträumter, dennoch ominöser Idylle und derben Nackenschlägen mit deutlich mehr metallischer Wut und Djent-Elementen kommt gut, ebenso die Screams nach etwa viereinhalb Minuten. Obwohl das Crescendo etwas überladen ist – das hier kann etwas. Wie auch „delirium“, das die sprichwörtliche Würze in die Kürze legt und auf Hooks in Reinkultur setzt. Ist das noch Prog oder eher schon Modern Rock? Egal, der Chorus brennt sich ein.

Auch „eclipsed by you“ bleibt denkbar kurz und bewegt sich weitestgehend in ruhigen, verträumten Gefilden mit etwas Elektronik. Erst die letzte Minute erhebt sich etwas und holt erneut deutlich modernere, gefällige Klänge hinzu. „bleeding sky“ rattert mit erstaunlicher Vehemenz durch und versucht immer wieder die Brücke zu klassischeren Prog-Klängen zu schlagen. Es brodelt in den Zäsuren, die wütenden bis vertrackten Entladungen kollidieren mit dezentem Harmoniebedürfnis. Abschließend rattert „lotus“, der zweite Siebenminüter, in gewohnter Haken-Klasse durch. Viel Luft für hymnische, instrumentale Einschübe und eine der besten Melodien der Bandgeschichte treffen auf zunehmend verschwimmende Effekte.

Es braucht ein wenig, bis diese neue EP wirklich zündet. Will man wirklich kompaktere, fast (Rock-)radiofreundliche Klänge von Haken hören? Wenn das Ergebnis so ausfällt: ja, absolut. Das komprimierte Line-up breitet seine Schwingen aus, nimmt die bereits am Vorgänger stärker vertretene Elektronik mit, kehrt stellenweise zurück zu metallischer Heavyness und wählt ab und an den direkten, unmittelbaren, eingängigen Weg. „in a fever dream“ kann aber auch ausladend, verspielt und proggig, so wie sich das gehört. Als Übergangsplatte macht diese EP sehr viel richtig. Was danach folgt, wird wirklich spannend.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 17.07.2026
Erhältlich über: InsideOutMusic (Sony Music)

Website: hakenmusic.com
Facebook: www.facebook.com/HakenOfficial

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Category: Magazin, Reviews

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