Could Seed – Terminal

(c) Olivier Faure
Das französische Quartett Could Seed hat ein Herz für etwas verträumtere, verspieltere Post-Rock-Klänge und bezieht einiges an Kraft und Inspiration aus dem Prog-Genre. Eine gewisse Nähe zu und Affinität für Pink Floyd lässt sich bei den Herren aus der Autorennmetropole Le Mans keinesfalls von der Hand weisen. 70s-Klänge, Psychedelia, Blues und auch ein wenig Metal setzen auf Klangreisen mit Herz und Tiefgang, die Emotionen vor Technik stellen. „Terminal“ ist bereits ihr zweites Album.
Zu Beginn stellt sich ein wahrer Gigant in den Weg – in Name und Dimensionen. „Atlas“ ist einer von zwei Siebenminütern und zeigt ab der ersten Sekunde, dass Could Seed ihren Post Rock eben ganz anders angehen. Loungig und doch getrieben lacht der 70s-Schalk aus dem Nacken. Nach etwa zwei Minuten gewinnen die Gitarren an Distortion und Heavyness, der Track entfalt sich nun so richtig. Besonders gelungen ist der Klangnebel, der das große Finale einläutet – etwas unwirklich, leicht psychedelisch und doch so kraftvoll. Der betont laute, geradezu noisige bis metallische Schlussakt verpasst einen kleinen Kinnhaken.
Im Vergleich dazu ist „Druids“ direkt unterwegs, findet schnell zu seiner schwerfälligen Intensität und ringt konstant mit Licht und Schatten. Seltene freundliche Momente wechseln sich mit präzisen Frontalattacken ab. Auch „Minotaure“ entdeckt letztlich Heavyness für sich, nachdem es zuvor minutenlang auf einer siebten Wolke schwebte und mit unwirklicher Beneblung durch das Nirgendwo tanzte. Hingegen drängt „Orion“ mehr denn je in post-metallische Gefilde, laut und unnachgiebig, bevor singende Gitarren gen Ausklang begleiten. Wer hingegen das Prog-Rock-Faible der Franzosen genauer beleuchten möchte, ist im ellenlangen „Pangea“ genau richtig – über weite Strecken eine feinfühlige Klangcollage, die sich einfach treiben lässt.
Speziell mit derlei verträumten, unwirklichen Ausritten muss man sich erst vertraut machen, gehen diese doch weit über gängige Post-Rock-Erwartungen hinaus und fordern gerne mal die Geduld etwas heraus. Letztlich geht das absolut in Ordnung, weil das Retro-Prog-Flair eine wichtige Zutat für den cineastischen, bewusst offen gehaltenen Post Rock von Could Seed ist. Der darf gerne mal heavy und metallisch ausfallen, aber auch sanftmütig und filigran, dockt bei Granden wie God Is An Astronaut und Elder an, findet zudem seine eigene instrumentale Mitte zwischen tiefen Tälern und gewaltigen Bergen. „Terminal“ braucht ein wenig, um zu zünden, ist aber vor allem als Kopfhörerplatte ein magisches, nahezu spirituelles Erlebnis mit weichen Texturen und scharfkantigen Überraschungen.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 23.10.2026
Erhältlich über: Klonosphere Records
Website: couldseed.com
Facebook: www.facebook.com/couldseed


Letzte Kommentare