Insomnium – Netherworlds

| 16. Oktober 2026 | 0 Comments
Insomnium

(c) Terhi Ylimainen

Seit bald 30 Jahren zählen Insomnium sozusagen zum finsteren Melodic-Death-Inventar. Das finnische Quintett verbindet seit jeher druckvolle Intensität, beklemmende Melodik und drastische Gesten zu epischen Großtaten. Stolze dreieinhalb Jahre nach „Anno 1696“ setzt es wieder frischen Stoff – mit Tomy Laisto, der die Band bereits seit geraumer Zeit live unterstützt, statt Jani Liimatainen an der dritten Gitarre. Das zehnte Studioalbum „Netherworlds“ unterstreicht einmal mehr das Händchen für monumentale Melancholie und behält den bewusst offenen Kurs der letzten Platten bei.

Nach dem unwirklichen Intro „The Cold Song“, im Original von Henry Purcell, geht „Shadowlife“ sogleich in die Vollen und serviert all das, was man sich von Insomnium erwartet und erhofft. Dicke Melodien, wuchtige Härte und omnipräsente emotionale Schwere nehmen das sprichwörtliche Heft in die Hand. Niilo Sevänen grummelt so grantig wie eh und je, Ville Friman sorgt für klare Einschübe – das Yin und Yang von Insomnium findet sofort zusammen und übersteht einen kleinen Key Change unbeschadet. Hingegen überrascht die zweite Hälfte mit proggiger Verletzlichkeit und einem epischen Gitarrensolo. Ein ähnliches Kaliber ist „Pathways Of The Night“, dessen hymnische Schwere nur sehr langsam an die Oberfläche dringt, bevor wütende Attacken alles in Schutt und Asche legen.

Als weitere Monstrosität ragt „The Hour Grows Late“ heraus und serviert acht Minuten epischen Wahnsinn. Der folkige Anfang täuscht, denn Insomnium schalten ebenso plötzlich um und legen den Grundstein für einen emotionalen Malstrom, dessen understateter Dark-Metal-Chic wieder und wieder an die Oberfläche drängt. Die Finnen haben ein Herz für nachdenkliche Leerstellen, aber auch für schwarzmetallische Zwischensprints, die von bizarren Effekten zerschossen werden. Und plötzlich ist der mächtige Melodiebogen zurück – das schlaucht im besten Sinne. Zum Abschluss geben sich Tomi Joutsen, Tomi Koivusaari und Santeri Kallio von den langjährigen Wegbegleitern Amorphis die Ehre. Das gemeinsame „Journey’s End“ fällt musikalisch aus dem Rahmen und klopft an der Pforte zum nächsten Leben an.

Ein Album über den Erfrierungstod liegt hinter Insomnium, von zermürbender Zerstörung, zarter Hoffnung, wiederholter Enttäuschung und willkommener Erlösung geprägt. Einmal mehr treten die Finnen als konzentrierte und konsequente Storyteller auf, überlassen ihren offenkundigen Stärken als Konzeptmeister den Vortritt und verbinden dies erneut mit einer experimentell bis proggig angehauchten Interpretation ihrer Musik. „Netherworlds“ entführt Melodic Death und Melancholie in gewohnt packende, aufwühlende Sphären und pendelt sich souverän auf nunmehr gewohnt hohem Niveau ein. Süßer die Herbstglocken nie erstarren.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 16.10.2026
Erhältlich über: Century Media (Sony Music)

Website: www.insomnium.net
Facebook: www.facebook.com/insomniumofficial

Slider-Pic (c) Terhi Ylimainen

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Category: Magazin, Reviews

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