Shy, Low – Purity Spiral

| 10. Oktober 2026 | 0 Comments
Shy, Low

(c) Shy, Low / Pelagic Records

Vielsagende Sprachlosigkeit bleibt die Spezialität von Shy, Low. Ihr letztes Album hat mittlerweile fünf Jahre auf dem Buckel, zudem ist man nun als Quintett unterwegs und nutzt das erweiterte Line-up, um sich musikalisch noch weiter hinauszuwagen. Dabei war der zwischen Post Rock und Post Metal angesiedelte Sound immer schon angenehm vielfältig und ein wenig unberechenbar, selbst in episch angehauchter Monumentalität. „Purity Spiral“ möchte noch massivere emotionale Klangkörper erschaffen, investiert kräftig in Detailarbeit und sieht sich in der Tradition atmosphärischer, cinemastischer und experimenteller Künstler.

Was sich wunderbar anspruchsvoll und komplex liest, reißt letztlich binnen kürzester Zeit von den imaginären Sitzen. In „Grace“ sind es die ruhigen Töne, die faszinieren. Shy, Low betreiben hier Klangarchitektur, bauen ihre Musik gemächlich und sorgsam auf, bevor aus dem Nichts sämtliche Stricke gleichzeitig reißen. Eine massive Wand schiebt sich über den Track, Dissonanzen sowie der eine oder andere ruppige Nackenschlag mischen mit. Dass „The Charging, Brazen Bull“ mit diesem Titel erst einmal freundlich und nahezu gut gelaunt klingt, überrascht ein wenig, denn abgesehen von den anfangs wilden Drums wird geradezu über das Arrangement getänzelt. Bleierne Heavyness und greifbare Melancholie sorgen später für ein weiteres Highlight.

Auch „Palmistry“ hat solch magische Momente zu bieten. Hier kommt die US-Band vergleichsweise schnell auf den Punkt, wirbelt früh mit einem ersten wilden Plateau los und konfrontiert anmutigen Schönklang mit monolithischer Schwere. Zwischenzeitliche Meditationen und ein großes, wüstes, zugleich suchendes Finale runden die Monstrosität ab. Der Titelsong „Purity Spiral“ langt sogar noch eine Spur beherzter zu. Shy, Low demonstrieren hochgradig spannende Atemlosigkeit, sind so technisch wie selten unterwegs und schrauben an einer Art post-apokalyptischen Stimmung, die im psychotisch anmutenen Schlussakt über sich hinauswächst.

Shy, Low legen tatsächlich noch ein wenig zu und üben mehr Druck aus. „Purity Spiral“ wirkt auf den ersten Blick durchaus roh und erdrückend, technisch anspruchsvoll, stellenweise im besten Sinne herausfordernd. Die tatsächliche Klangarchitektur des neuen Longplayers entdeckt man erst nach und nach, äußert sich in feinsinnigen Details, packender Atmosphäre und dem Spiel mit Ebbe und Flut. Klar, manchmal wagen sich Shy, Low etwas sehr weit hinaus und verlieren sich in technischen Details, doch sind dies seltene Momente kurioser Ausritte und Experimente, die bloß besser in den Albumkontext eingebunden werden müssen. Die Entwicklung stimmt, das Spiel mit Heavyness und feiner Klinge fasziniert, das Songwriting wirkt hörbar gereift – instrumentale Klangkunst, die verzaubert.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 16.10.2026
Erhältlich über: Pelagic Records (Cargo Records)

Facebook: www.facebook.com/ShyLowMusic

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Category: Magazin, Reviews

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