Caspian – Caspian

| 15. Oktober 2026 | 0 Comments
Caspian

(c) Jordan Butcher

Der Weg, so sagt man, ist das Ziel, und für Caspian war es dieses Mal ein besonders langer Weg. Ihr fünftes Studioalbum „On Circles“ erschien im Jänner 2020. Mit einer Tour wurde es natürlich nichts; man veröffentlichte zwischenzeitlich diverses Material online, versuchte es mit Livestreams und verlor 2021 Gitarrist Erin Burke-Moran, der sich überwiegend ins Privatleben zurückzog. Seither waren die Post-Rock-Veteranen auf der Bühne sehr präsent, feierten ihren 20. Geburtstag und tasteten sich nur langsam zu einer neuen Platte als Quintett vor. Schlicht „Caspian“ betitelt, ging es dieses Mal bewusst nicht darum, sich erneut in eine frische Richtung zu entwickeln. Stattdessen schrieb man einfach ’nur‘ Songs, die sich auf bewährte Qualitäten konzentrieren.

Zu den unbestrittenen Highlights und zugleich den besten Tracks ihrer illustren Karriere zählt der Neunminüter „Remain“. Eigentlich passiert hier relativ wenig – getragenes Tempo, feinsinnige Gitarrentöne, gemächlicher Rhythmus, mehr und mehr Instrumente stoßen hinzu. Langsam, aber sicher beginnt es zu brodeln, das obligatorische Post-Rock-Plateau setzt zur Songmitte plötzlich ein. Die singende Gitarre nimmt das Heft fest in die Hand, im Schlussdrittel überrascht sogar etwas Heavyness, ohne auch nur im Geringsten in metallische Bereiche abzudriften. Ein in die Länge gezogenes Outro samt versöhnlicher Piano-Coda rundet die magische Großtat ab.

Dieses Niveau erreichen Caspian zwar in weiterer Folge nicht ganz, pendeln sich aber auf gewohnt starkem Niveau ein. „No One Left To Tell“ steht exemplarisch für die Vielfalt dieser Platte, bringt eine gewisse Leichtfüßigkeit mit und holt vorwitzige, 80s-lastige Töne in das herrlich legere Crescendo. Etwas Synth hier, ein wenig Elektronik da, dazu kraftvolle Gitarren – dieser Stilmix gelingt. Dafür startet „Far Country“ fast in media res, legt für Post-Rock-Verhältnisse ohne großen Anlauf los und zerlegt sich mit übermäßigem Feedback-Pedal-Einsatz selbst. Das verleiht dem Sound etwas leicht Schroffes, Unfertiges, während ringsum typisch Caspian’sche Anmut von wütenden Drums attackiert wird. Auch dieser Ausritt gelingt.

Bei aller Abwechslung unterhält „Caspian“ durch seinen roten Faden, der sich erst nach dem zweiten, vielleicht sogar erst nach dem dritten Durchlauf so richtig zeigt. Ideen setzt es in Hülle und Fülle, fast wie eine kleine Rundreise durch gut 20 Jahre Bandgeschichte, doch fließen diese 40 Minuten stets sympathisch und gelungen ineinander. Mal härter, mal feinsinniger, mal klassisch angehaucht, dann weder mit synthetischer Ausprägung, dazu ein neunminütiger Gigant – Caspian liefern einmal mehr richtig stark ab.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 16.10.2026
Erhältlich über: Wax Bodega / Many Hats (Virgin Music)

Website: www.caspian.band
Facebook: www.facebook.com/CaspianTheBand

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Category: Magazin, Reviews

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