Kanaan – Kanaan

| 19. Oktober 2026 | 0 Comments
Kanaan

(c) Thomas Moe Ellefsrud

Stillstand kennen Kanaan nicht. Das Trio aus der norwegischen Hauptstadt Oslo veröffentlicht bereits sein zehntes Album, pünktlich zum zehnjährigen Bestehen. Zuletzt zeichneten sich die Norweger vor allem durch Kooperationen und wiederaufgegriffene Improvisationen aus; je nach Sichtweise geht „Downpour“ als letzte reguläre Platte durch, ohne den weiteren Output seither zu schmälern. Das schlicht „Kanaan“ betitelte Werk konzentriert sich nun auf das, was die drei Herren aus dem hohen Norden auszeichnet: treibender instrumentaler Rock mit Fuzz- und Psych-Schwerpunkt.

Los geht es erstaunlich heavy und direkt: „P1800“ rattert in unter drei Minuten durch und bündelt die wilde Seite der Norweger in einer atemlosen Tour de Force, die sich konstant selbst zu überholen scheint und bereits erste Experimente mit Effektpedalen wagt. „Silver Cloud Blues“ geht es etwas gemächlicher an, wirkt leicht verpeilt und dadurch erst recht sympathisch. Während die Gitarre gar metallisch kratzt und beißt, hält die Rhythmusabteilung den jazzig-explosiven Fokus – wirbelnde und doch konzentrierte Drums, dazu ein pulsierender Basslauf mit bewusst knarzender Schlagseite. Wenn im Schlussdrittel die Band zusammenfindet und ein Hard-Rock-Motiv entfremdet, ist alles eitel.

Und doch kratzen Kanaan damit bestenfalls an ihrem Können als Improv-Meister. „Ouroboros“ dauert stolze 13 Minuten und taucht in vertraute Space-Rock-Gefilde ein. Völlig losgelöst und herrlich verträumt schwebt das Trio über suchendem Minimalismus. Richtung Songmitte verfinstert sich der Himmel, wandert der Fokus zu Heavyness. Schier undurchdringbare Wände und ausladende Soli heben ab. Die komplette B-Seite gehört hingegen „The Wanderer (Part I-V)“, einem gut 20-Minütigen Epos der abgehobenen Seite. Hier packen die Norweger alles rein, was sie auszeichnet, schweben auf psychedelischen Wolken, treten das Gaspedal durch, improvisieren minutenlange Soli und meditieren in krautigen Untiefen.

Natürlich strengt diese Dreiviertelstunde an, das gehört sich bei Kanaan mittlerweile so. Und doch ist es eben jene kauzige, verplante Eigentümlichkeit, die die Norwegern zu absoluten Meistern ihres Fachs macht. Auch ihr selbstbetitelter neuer Streich lässt sich nur schwer bändigen, schlägt wiederholt kleine Haken und macht sich in unwirklichen Talsohlen breit, bevor man nach den Sternen greift. Der fuzzig-psychedelische Wahnsinn häutet sich konstant und bündelt so ziemlich alles, was die Norweger auszeichnet, auf einem Album. Und die Gitarre singt ewig weiter.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 16.10.2026
Erhältlich über: Jansen Records

Facebook: www.facebook.com/kanaanband

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Category: Magazin, Reviews

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