The Ruins Of Beverast – Tempelschlaf

(c) The Ruins Of Beverast / Ván Records
Wie Alexander von Meilenwald seit mittlerweile über 20 Jahren den Sound von The Ruins Of Beverast schrittweise verfeinert und umschichtet, ringt höchsten Respekt ab. Der morbide Sound des Ein-Mann-Projektes denkt Black Metal ein weiteres Mal mit wachsender Begeisterung weiter, bemüht sich aktuell vermehrt um Reduktion und möchte doch den doomig-psychedelischen Wahnsinn zu keiner Sekunde missen. In anderen Worten: „Tempelschlaf“ ringt dem beklemmenden, cineastischen und zermürbenden Klangkosmos konzentriert frische Facetten ab.
Der Titel trägt Pathos in sich, der Song selbst wächst über sich hinaus: „Cathedral Of Bleeding Statues“ illustriert die Vielschichtigkeit des Beverast-Sounds gar gekonnt. Überwiegend getragenes Doom-Tempo, dezente Gothic-Einschübe, Chöre und sogar ein wenig Klargesang finden zusammen, von Produktionskargland geschickt in Szene gesetzt. Der Minimalismus der Dinge funktioniert selbst in der epischen Öffnung prima, wenn im Schlussdrittel die Schlagzahl erhöht wird und die Aggression Einzug findet. Ob „The Carrion Cocoon“ das auf 13 Minuten hätte ausdehnen müssen, sei dahingestellt, gerade in der zweiten Hälfte, doch gerade der erste Part trifft mitten ins Herz.
Dort wartet bereits „Babel, You Scarlet Queen!“ und tobt sich mit seinem Faible für abgewracktes Chaos richtig schön aus. Black Metal, Post Rock, Ambient und Funeral Doom geben sich wütend, unmittelbar, ringen mit einem emotionalen Wirrwarr und lassen eine Pluralität von Stimmen hochleben. Das kann zuweilen erschöpfen, speziell wenn hinter jeder Weggabelung die Keule lauert, doch macht gerade der etwas vertrackte, verstörende Abgang Laune. Im eröffnenden Titelsong „Tempelschlaf“ braucht es hingegen Unruhe im XXL-Format, die doomige Fast-Melodik in das immer schneller werdende Arrangement einbettet und die Eskalation tatsächlich herbeisingt. Abermalige Dark-Metal-Vibes und angedeuteter Naturfolk passen gut dazu.
Selbst für Beverast-Verhältnisse ist das hier eine ganze Menge Holz, und das nicht nur aufgrund der opulenten Spielzeit von einer Stunde. Klar, es geht weiterhin um schwarzmetallisches Chaos, um Ambient-Magie und doomige Schwere, doch rücken die teils herrlich konträren Einflüsse gefühlt immer weiter zusammen. Die epischen Tracks reihen Schicht auf Schicht, erfinden sich wieder und wieder neu, nehmen in den Klammergriff und lassen den Blick über das weite Land schlafen. „Tempelschlaf“ ist ein Lehrstück in Sachen Atmosphäre, komplex und doch so klar, und serviert The Ruins Of Beverast in gewohnt bestechender, beklemmender Form.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 09.01.2026
Erhältlich über: Ván Records
Facebook: www.facebook.com/the.ruins.of.beverast


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