Dramatist – Wasting Words

| 21. Januar 2026 | 0 Comments
Dramatist

(c) Todde Rinner

Seit geraumer Zeit in der Bremer Musikszene aktiv, spielten Dramatist auf dem Wacken Open Air, noch bevor sie einen einzigen Song veröffentlicht hatten. Vier der fünf Musiker kennt man von Shun, die sich momentan irgendwo im Nirgendwo befinden. Musikalisch bewegt man sich irgendwo zwischen Post-Hardcore und Alternative Rock, mit Gregor Henning (Muff Potter, The Robocop Kraus, Die Sterne) und Kurt Ebelhäuser (Blackmail, Pascow, Donots) konnte man sich zwei hochprominente Produzenten sichern. Das erste Album „Wasting Words“ schickt sich nun an, große Vorschusslorbeeren laut und deutlich zu bestätigen.

Das Ergebnis ist ein wahres Wechselbad der Gefühle in achten Kapiteln. Was beispielsweise „Fat White Families“ alleine in den Spannungsaufbau investiert, beeindruckt, begeistert und verstört zu gleichen Teilen. Marco Van Getes wütende Vocals ringen um Fassung und versuchen erst gar nicht, diese zu zu finden. Im knisternden, abgewrackten Post-Hardcore-Umfeld entsteht ein nervöser Track, der mittendrin eine hymnische, belebende Auflösung erfährt. Das hat durchaus Thrice-Qualitäten. Hingegen bleibt „Glasgow Nights“ kurz vor der kompletten Eskalation stehen, was dem Quintett jedoch bestens zu Gesicht steht – unbequem, energisch und doch mit einem klaren Zeichen, dass das Unvollendete letztlich vollkommen sein kann.

An anderer Stelle peitscht sich „Loathing“ nachdenklich nach vorne und lässt im Widerspruch alles auf kleiner Flamme köcheln. Ja, hier braut sich einiges zusammen. Ja, es geht auch germe mal laut und durchaus drastisch zur Sache, doch macht vor allem das Abtasten ringsum Laune. Mehr Melodie und Gemächlichkeit holt hingegen „The League“ aufs Tableau. Stellenweise wirken die Vocals im weiten Rund der Emotionen verloren, suchen nach Sicherheit und Anschluss. Erst zum Schluss bricht das fragile Kartenhaus lautstark zusammen. „Go“ rundet den Einstand in bekömmlicher Überlange ab – eine Hälfte lang eindringlich und doch nie komplett aufbrausend, schließlich nachdenklich und reduziert. Was wie das Hinarbeiten auf Post-Rock-Katharsis klingt, reißt unvermittelt ab.

Dieser abrupte und doch stimmige Abgang passt ins Bild und rundet ein in jeder Hinsicht packendes, bewegendes, mächtiges Album ab. Ja, Dramatist wecken gewisse Erinnerungen an Post-Hardcore-Ikonen und verstehen das Spiel mit durchaus widersprüchlichen, explosiv auftretenden Emotionen, besitzen zugleich ein gewisses Händchen für feinsinnige Zwischentöne, die sich bevorzugt aus beklemmenden Spannungsaufbau und -abbau speisen. „Wasting Words“ liebt Ebbe und genießt die Flut, auf magische Weise erdrückend und erschütternd. Kalter Schweiß trifft wissendes Lächeln – ein Auftakt nach Maß.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 23.01.2026
Erhältlich über: DevilDuck Records (Indigo)

Website: www.dramatistband.com
Instagram: www.instagram.com/dramatist.band

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Category: Magazin, Reviews

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