Ben Quad – Wisher

| 13. November 2025 | 0 Comments
Ben Quad

(c) Kam Coker

Emo-Revival gefällig? Nein? Gut, denn Ben Quad halten davon offenkundig selbst herzlich wenig, obwohl sie sich im Auge des emotionalen Sturms befinden. Das Quartett aus Oklahoma offenbarte auf seinem ersten Album ein gewisses Faible für den Mittleren Westen, ohne sich darauf festnageln zu lassen. Wütender Screamo, komplexer Post-Hardcore, dazu Alternative Rock und sogar ein Hauch Pop – die Mischung lässt mit der Zunge schnalzen. Für das zweite Album ging es nach New Jersey, um mit Jon Markson (u. a. Drug Church, The Story So Far) den eigenen Sound in einem Bauernhofstudio genauer auszuloten. „Wisher“ blickt erstaunlich hoffnungsvoll in die Zukunft.

„You Wanted Us, You Got Us“ klingt ein wenig wie die Mission dieser Platte und zeigt Ben Quad in all ihrer vielschichtigen Pracht. Die schrammeligen Emo-Math-Gitarren und der emotional aufgeladene Gesang (Zayna Youssef von Sweet Pill mischt hier stark mit) treffen auf wütende Screamo-Einschübe, stellenweise sich fast überlagernd, dann wieder komplett am Rad drehend, bevor ein Hauch von Harmonie gefunden wird. Die gibt es in „Classic Case Of Guy On The Ground“ in Hülle und Fülle – einer der ruhigsten, eingängigsten Tracks dieser Platte, selbst für Emo-Rock-Verhältnisse sehr zurückgenommen und mit Hooks in rauen Mengen ausgestattet.

Auf der Stelle tritt das US-Quartett so und so nicht, sondern ringt dem eigenen Sound stets neue Facetten ab. Wie in „Very Big In Sheboygan“, dessen Augenzwinkern einen berauschenden und zugleich hymnischen Track lostritt – stets der kompletten Eskalation nahe und doch fast geerdet. „Painless“ ist hieran herzlich wenig, wobei der Sprung von der ruhigen, intimen Strophe hinein in den lebhaften, launischen Chorus ebenso unterhält wie das kraftvolle „It’s Just A Title“, das mit kurzen, pointierten Screams ebenso abholt wie „I Hate Cursive And I Hate All Of You“. Was Tim Kasher darüber denkt, ist nicht überliefert, doch laufen Ben Quad mit ihrer Laut-Leise-Dynamik, den großen Melodien und der ungezügelten Wut dazwischen zu absoluter Höchstform auf, zwischenzeitlicher Blastbeat inklusive.

Man kann quasi live mitverfolgen, wie Ben Quad ihre eigene Stimme endgültig finden. Und das geschieht auf mitreißende Weise, denn der konstante Spagat zwischen Harmoniebedürfnis, roher Wut und unverfälschter emotionaler Wucht geht durchaus an die Substanz. Kaum hat man sich an eine Hook gewöhnt, fahren sperrige Math-Gitarren rein, bevor galliger Screamo alles zur Grundreinigung zerlegt. Und doch macht eben diese krude wie bekömmliche Mischung Sinn, denn „Wisher“ wirkt durch diese unvorhersehbare Wechselhaftigkeit wie mitten aus dem Leben gegriffen. Mit zartem Optimismus gepaart, entsteht ein kurzweiliges zweites Album, mit dem die US-Band den sprichwörtlichen nächsten, sehr verdienten Schritt gehen sollte.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 14.11.2025
Erhältlich über: Pure Noise Records (SPV)

Facebook: www.facebook.com/benquadok

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Category: Magazin, Reviews

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