Bear The Mammoth – Purple Haus

| 25. Juli 2023 | 0 Comments
Bear The Mammoth

(c) Bear The Mammoth

Das letzte Album war gut, doch dachten Bear As Mammoth nahezu sofort an die Zukunft. Nach „Years Under Glass“ aus dem Jahr 2018 reiften beim australischen Post-Rock-Quartett schnell Pläne für einen Nachfolger, der natürlich einiges anders machen sollte. Letztlich übernahmen die Synthesizer eine deutlich wichtigere Rolle bei den Instrumentalisten, während klassische Post-Erwartungen nach Möglichkeit aufgebrochen werden sollten. Mutige und mutwillige Experimente mit Songstrukturen führen nun zum schillernden „Purple Haus“.

Wie das funktionieren kann und soll, zeigt „Cridge“, dessen reduzierte Melodik anfangs so etwas wie Easy-Listening-Harmonien mitbringt. Schlagzeug und Bass setzen ein, die Gitarre drängt sich langsam nach vorne und gewinnt an Distortion. Was traditionell der Startschuss für eine klassische Post-Rock-Eruption sein sollte, wird hier jedoch in ein tanzbares, funkiges Umfeld eingebettet. Das mag sich seltsam lesen, weiß aber zu unterhalten. Auch im abschließenden „Somerset“ scheinen epische Klangteppiche nicht weit, müssen sich jedoch ein Stück zurücknehmen. Tanzbare Dramatik weicht zunehmender Reduktion, bevor butterweiche Soundscapes mit Ambient-Untertönen in die finalen Minuten tragen.

Es geht aber auch ganz anders: „Freshwater“ fällt förmlich mit der Tür ins Haus und schraubt die Lautstärke nach oben. Zermürbende Verzerrung und metallische Breitseiten mit noisiger Abrundung bäumen sich gar fies auf, zwischendurch sorgen ein paar lichte Momente für Auflockerung. Die komplette, kompromisslose Übersteuerung führt in eine leichtfüßige, proggige zweite Hälfte, die sich zu neuen Ufern tastet. Im ellenlangen „Eugene“ kommen tatsächlich vorhersehbare Post-Rock-Strukturen zum Einsatz, zumindest für kurze Zeit. Der erste Abschnitt arbeitet mit etatmäßigem Aufbau und dem Hinarbeiten auf einen Höhepunkt. Math-Bounce, düstere Atmosphäre und proggige Sinnsuche fallen mit zunehmender Spieldauer ein und führen das Gehörte geschickt ad absurdum.

Butterweich und übertreibend komplex zugleich, das dürfte eigentlich nicht funktionieren. Wiewohl Post Rock nach wie vor das musikalische Rückgrat bildet, setzt sich „Purple Haus“ über die Erwartungen hinweg, und das nicht nur aufgrund der prominenter vertretenen, zugleich sehr organisch eingebetteten Synthetik. Meditierende Klangflächen, ruppige Noise-Attacken, klassischer Prog Rock, Math-Bounce und unzählige Zwischentöne zerren an den Arrangements und erzählen eine Geschichte der inneren Zerrissenheit, die einiges an Faszination ausstrahlt. Bear The Mammoth legen vermeintliche Ketten auf und zeigen sich in vollster kreativer Blüte. Auch wenn es den einen oder anderen Durchlauf mehr braucht, macht dieser Ausritt richtig Laune.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 28.07.2023
Erhältlich über: Art As Catharsis

Website: bearthemammoth.com
Facebook: www.facebook.com/BearTheMammoth

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Category: Magazin, Reviews

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