Dynfari – Myrkurs er þörf

| 16. September 2020 | 0 Comments
Dynfari

(c) Aural Music

Manchmal will gut Ding sehr, sehr viel Weile haben. Eigentlich wollten Dynfari ihr fünftes Album bereits vor einem halben Jahr veröffentlichen, bevor die Pandemie – man ist bei einem italienischen Label unter Vertrag – sehr frühzeitig einen Strich durch die Rechnung machte. Die Isländer atmeten durch, ließen sich nicht aus der Ruhe bringen und änderten letztlich doch nichts an ihrer Platte. „Myrkurs er þörf“ verbindet gewohnt selbst-zerstörerische Tendenzen mit wuchtig-verschrobenem Post-Black-Metal-Sound.

Bleierne Schwere, blutende Düsterherzen und rasende Wut liefern den Rahmen für ein gekonnt eigenwilliges Album. Der Vorbote „Ég tortímdi sjálfum mér“ bringt den Sound Dynfaris prima auf den Punkt. Frostige, post-romantische Klangbögen bestimmen das Geschehen, von Jóhann Örns ebenso eigentümlichen Vocals – angedeuteter Gesang, eine Art von Schreien, kehliges Knurren – gekonnt begleitet. Langsam intensiviert sich der Track, nimmt in der zweiten Hälfte Fahrt auf und tritt furiose Black-Metal-Salven los, nur um im richtigen Moment wieder in meditative Fast-Gewalt zurückzufallen.

Das Auftreten ist eigenwillig, der Sound gewaltig: „Langar nætur (í botnlausum spíralstiga)“ durchlebt gleich mehrfache Häutungen mit einem Frontmann, der seine Stimmbänder strapaziert. Aus dem Nichts schießt eine Art Gitarrensolo hervor, frostige Wände fahren durch Mark und Bein, schon folgt ein weiterer Mini-Sprint mit erhabenen Untertönen. Hier fühlt sich „Peripheral Dreams“ wohl, mit zehneinhalb Minuten das Mammut dieser Platte. Selten wird das Faible der Isländer für Post Rock so deutlich wie hier, wenngleich die ruppigen, rasanten Black-Metal-Eruptionen ebenso fieberhafte Dimensionen annehmen. Zwischen diesen Extremen entwickelt sich ein beinahe doomiger Leisetreter, gefühlsecht und höchst instabil.

Rasant, ungezügelt und zugleich anmutig: Dynfari leben in einer Welt musikalischer Gegensätze und wissen diese für sich zu nützen, zu kultivieren. „Myrkurs er þörf“ häutet sich gleich mehrfach, wirkt unwahrscheinlich emotional und instabil. Das stete Spiel mit dem plötzlichen Wandel bekommt den Isländern gut, das Unvorhersehbare wird zur Kunstform erklärt. Letztlich macht sich die unfreiwillige Verschiebung sogar bezahlt, denn dieses Album passt hervorragend zum baldigen, nasskalten Herbst – ein echter Trip im besten Sinne.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 18.09.2020
Erhältlich über: code666 / Aural Music (SPV)

Facebook: www.facebook.com/Dynfari

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Category: Magazin, Reviews

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