Núll – Entity

| 31. August 2020 | 0 Comments
Núll

(c) Núll

Nichts, rein gar nichts und absolut nichts – das bedeutet Núll im Isländischen. Die 2012 in Reykjavik gegründete Band veröffentlichte vor sechs Jahren ein kurzweiliges, schwarzmetallisches Debütalbum mit depressiver, atmosphärischer und melodischer Note, nur um sogleich wieder unterzutauchen. Ins Nichts, wenn man so will. Drehte sich besagter Einstand „Null & Void“ noch voll und ganz um dieses Nichts, so widmet sich „Entity“ der Sinnlosigkeit und Obsoleszenz als Ganzes.

Das eröffnende „None“ verzaubert, weil es sich weiter denn je hinauswagt. Zwar bleibt die vertraute schwarzmetallische Wucht im Unterbau enthalten, allerdings bemühen sich die Isländer vornehmlich um geradezu doomige Düsternis mit seltenen Wutausbrüchen. Der himmlische, harmonische Klargesang mit süffigen Basstönen brennt sich ein, der verglimmende Horizont des unausweichlichen Untergangs breitet sich aus. „Reduced Beyond The Point Of Renewal“ nimmt nur verhalten Fahrt auf, wird mit der Zeit harscher und kantiger, bevor beinahe folkige Chants und Singalongs die Trinkhörner zu Ehren des Unausweichlichen erheben.

Je länger das Album andauert, desto härter und brutaler scheint es zu werden. „(Em)Pathetic“ bleibt seinen erhabenen, melodischen und progressiv angehauchten Grundstrukturen treu, nimmt allerdings in weiterer Folge mehr Fahrt auf mit infernalen Screams, die schon mal in ohrenbetäubendes Gekreische umschlagen. Rundherum marschiert der Track über weite Strecken in mächtigen Midtempo-Gefilden, ein wenig an Primordial erinnernd. Im abschließenden „An Idiosyncratic Mirage“ schließt sich der Kreis wieder, erneut nimmt der fatalistische Gesang des Openers eine zentrale Rolle ein, dazu schreitet das Arrangement gemächlich und doch intensiv, majestätisch voran. Einzelne Screams lassen das Gebälk erzittern.

Wie schon der Vorgänger ist auch „Entity“ kein typisches Black Metal-Album geworden, wagt sich sogar noch eine Spur weiter hinaus und macht damit alles richtig. Der gefühlte Untergang wird zum steten Begleiter, äußert sich in wiederholten fiesen Spitzen und durchaus harmonischer Verweigerungshaltung. Letztlich ist alles eitel und alles im Nichts verhaftet. Núll liefern den geschmackvollen Soundtrack für das bevorstehende Ende der Zeit.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 28.08.2020
Erhältlich über: Ván Records (Soulfood Music)

Website: 0000000.bandcamp.com

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Category: Magazin, Reviews

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