Lesser Glow – Nullity

| 26. Mai 2020 | 0 Comments
Lesser Glow

(c) Matt Darcy

Mit 25 knackigen Minuten gingen Lesser Glow vor zwei Jahren durch die Decke. „Ruined“, das recht knapp bemessene Debütalbum, erwies sich als kratzbürstige und doch eingängige Offenbarung zwischen Doom, Noise Rock und Post Metal – erhaben, schroff und unerbittlich finster. Das Geheimrezept für unnachgiebige Heavyness nehmen die Herren aus Boston mit und entschlossen sich, den Sound dynamischer zu gestalten – mehr Atmosphäre im melodischen Bereich, mehr Biss in den brachialen Momenten. Auf „Nullity“ gehen die US-Amerikaner erneut steil.

Von der ersten Sekunde an intensiv und abgefuckt – der Wahnsinn hat auf dieser Platte Methode. „The Great Imitator“ fühlt sich sofort zwischen zwei Welten gefangen, ist gleichzeitig wütend und bissig, doomig und entschleunigt, zudem von fiesem 90s-Noise-Rock geprägt. Der zwischenzeitlich eingesetzte Klargesang wirkt wie ein Lichtblick und verschwindet folgerichtig nach wenigen Sekunden. „I Am The Island“ zäumt das Pferd von hinten auf. Lesser Glow legen den Fokus auf Atmosphäre, auf klaustrophobe Melodik und verhalten eingängige Vocals. Die erste Hälfte hat etwas Mystisches an sich, danach lesen die US-Amerikaner eine beklemmende Messe.

Alle Fäden laufen schließlich in „Fostering The Nullity“ zusammen. Der Quasi-Titelsong geht acht Minuten lang ans Äußerste, dreht sämtliche Regler nach oben und findet sogar Platz für ein wenig Death-Doom-Action. Brachiale Growls und Screams nebst zittrig-feiner Klinge – eine bekömmliche Kombination. Am Anschlag operiert hingegen „Toba“, der zweite Gigant und zugleich Rausschmeißer dieses Albums. Hier kommt das Faible für unerbarmlichen Post Metal durch, immer lauter werdend und weiter eskalierend. Im Auge des Sturms ertönen wenige klare Zeilen, die anschließende Abfahrt in den Höllenschlund fällt umso intensiver aus.

Lesser Glow lösen ihr Versprechen ein und setzen den wuchtigen Wahnsinn gekonnt um. „Nullity“ punktet mit noch beklemmenderer Atmosphäre, legt geschickt den unsichtbaren Schalter um und rattert wiederholt gegen die Wand. Trügerische Ruhe in melodischen Momenten wiegt auf der sicheren Seite, zumindest bis der nächste Zeitlupen-Dampfhammer kommt. Es macht Spaß, den US-Amerikaner zuzusehen (und -hören), wie sie tiefenentspannt an den Stellschrauben des Grauens drehen und ihr unbequemes Konstrukt weiter intensivieren.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 29.05.2020
Erhältlich über: Pelagic Records (Cargo Records)

Facebook: www.facebook.com/Lesserglow

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Category: Magazin, Reviews

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