Mylingar – Döda Själar

| 30. Juli 2019 | 0 Comments
Mylingar

(c) Mylingar

Gäbe es eine Band wie Mylingar nicht, man müsste sie erfinden. Dabei lässt sich herzlich wenig über sie berichten. Sie sollen aus Schweden stammen, über Mitglieder und Line-up ist herzlich wenig bekannt. Einzig der Name – der Plural von ‚myling‘, ein Begriff aus der skandinavischen Folklore für den herumirrenden Geist eines ungetauften Kindes – verrät, wohin die Reise gehen kann. „Döda Själar“ beschließt nun eine Trilogie an auditiven Attacken.

Black, Death und Noise geben sich von der ersten Sekunde an die Klinke in die Hand und erklären den Begriff ‚auditive Attacke‘ anschaulich. „Obalansen“ eröffnet die Platte in media res – laut, wütend, übersteuert. Die Schlacht um den Krach wird von manischen Riffs, halsbrecherischer Geschwindigkeit und ranzigen Growls begleitet – ein wahrlich hasserfülltes Stück Musik und zugleich nur Fundament für weitere Explosionen.

Über die gesamte Spieldauer von gut 40 (!) Minuten eskaliert die Platte immer weiter. „Bländningen“ brennt unter den Fingernägeln, baut auf manische Squeals und erhöht den Druck quasi im Sekundentakt. All das ist bestenfalls Vorgeplänkel für das große Finale. „Förlusten“ überspringt die Zehn-Minuten-Marke mit beklemmender Leichtigkeit und zeigt zugleich, was die Band kann. Gerade die zweite Hälfte driftet immer tiefer in Ambient-lastige Noise-Sümpfe ab, sirenartige Gitarrenwände und gutturale Growls treiben den Verfremdungseffekt zum Äußersten.

„Döda Själar“ ist kaputte Musik für Profis, anders lassen sich die ununterbrochenen, immer furioser werdenden Attacken wohl nicht umschreiben. Der patente Wahnsinn von Mylingar kennt keine Grenzen und dürfte somit ein reines Spezialistenthema sein. Man muss schon Nerven wie Drahtseile haben, um dieses Album wiederholt durch die Boxen zu jagen. Aber: „Döda Själar“ hat seinen Reiz. Nach mehreren Durchläufen kristallisieren sich spannende Details heraus, nimmt der Wahnsinn Form an und gewinnt an Bedeutung. Klar, ein anstrengenderes Album wird man heuer wohl nicht hören, wohl aber auch kein kompromissloseres.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 02.08.2019
Erhältlich über: Amor Fati Productions

Facebook: www.facebook.com/mylingar

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Category: Magazin, Reviews

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