The Atlas Moth – Coma Noir

| 6. Februar 2018 | 0 Comments
The Atlas Moth

(c) Prosthetic Records

Musik kann verwirren und vor Rätsel stellen. Der bloße Versuch The Atlas Moth in so etwas wie eine Schublade zu stecken, ist bereits im Vorhinein zum Scheitern verurteilt. Das Quintett aus Chicago verpasst ihrem Sound die Beschreibung ‚Uneasy Listening‘ und trifft damit den sprichwörtlichen Nagel auf dem Kopf. Zwei Sänger winden und schreien sich durch einen Mix aus Post Metal, Sludge, Prog und Psychedelia – das liest sich nicht nur abgefuckt, sondern klingt auch so. Entsprechend schwerfällig und doch hochgradig aufwühlend gestaltet sich ihr neues Album „Coma Noir„.

Von den eröffnenden Noten des Titelsongs an, packen die Motten ein derbes Powerhouse nach dem anderen aus. An den Vocals werden sich gewiss die Geister scheiden. Spitze Schreie treffen in „Coma Noir“ auf Stakkato-Riffs und proggig angehauchte Atmosphäre, kehliger Gesang und vereinzelte Growls setzen zwischendurch martialische Akzente. Das kann schon mal ziemlich aufs Seelenleben gehen, kommt aber ebenso gut wie die deutlich getrageneren Töne von „Galactic Brain“. In diesem deutlich entspannteren Umfeld erinnern The Atlas Moth zeitweise ein wenig an die Prog-Exkurse von Mastodon, dann wieder an The Ocean in einem Psychothriller.

Was bei diesem vermeintlichen Chaos aus spitzen Schreien und bissigen, angethrashten Riffs gerne mal untergeht: The Atlas Moth sind mittlerweile verdammt gute Songwriter geworden. Von der höllischen Abfahrt von „Actual Human Blood“ samt semi-melodischem Auge des Sturms bis zur zähen, vertrackten Anti-Explosion von „Chloroform“ reiht sich ein Wellenbrecher an den nächsten. Im überlangen „The Streets Of Bombay“ reihen sie schließlich Retro-Riffs an Psych-Exkurse und zähmen die eierlegende Wollmilchsau mit kurzem Blick gen Kraut – klingt komisch, macht auf bizarre Weise Sinn.

Unerwarteter Erfolg durch perfektionierte Überspitzung: The Atlas Moth klingen auf „Coma Noir“ noch extremer, noch kaputter, noch kreativer, noch harmonischer, noch chaotischer. Klingt nach viel – zu viel, vielleicht sogar, und ist letztlich doch der richtige Weg. Die richtige Balance zwischen Entfremdung und Stacheldraht-Umarmung bekommt dem neuen Album des Quintetts aus Chicago richtig gut. Mit grandiosem Songwriting und hörbarem Händchen für ausgefallene Riffs treiben The Atlas Moth ihren Wahnsinn auf die Spitze. „Coma Noir“ ist so etwas wie die Blaupause für neue Post-Metal-Weirdness, und zugleich das Ergebnis jahrelanger harter Arbeit. Es wäre doch ein Frevel, könnten die Herren aus Chicago nicht endlich auch die verdienten Lorbeeren einfahren.

Wertung: 9/10

Erhältlich ab: 09.02.2018
Erhältlich über: Prosthetic Records / Metal Blade (Sony Music)

Website: comanoir.org
Facebook: www.facebook.com/thetlasmothband

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Category: Magazin, Reviews

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