KYPCK – Zero

| 14. Dezember 2016 | 0 Comments
KYPCK

(c) Ranka Kustannus

Selbst unter den vielen nordischen Doom-Bands nehmen KYPCK eine Ausnahmestellung ein, denn die Finnen singen in russischer Sprache. Damit ging es zeitweise zum Branchenriesen Century Media (und wieder zurück), in die Top 10 ihrer finnischen Heimat, ja sogar auf Tour durch Sibirien. Ihr aktuelles Werk „Zero“ hat schon einige Monate auf dem Buckel, erhält nun aber endlich seinen regulären und heiß ersehnten Österreich-Release.

Zwischen großem Drama, destillierter Apocalypse und doomiger Emotionalität finden KYPCK den Höhepunkt dieser Platte in „I See A Face In The Sky“. Stolze elf Minuten marschieren die Finnen voran und kreuzen wuchtige Gitarren mit beklemmender Melodik. Der eingeflochtene Frauengesang funktioniert nicht immer, der aufwühlende Grundtenor trifft dafür ins Schwarze. Wer eine andere Seite des Quintetts erkunden möchte, lässt sich vom mächtigen „Russophobe“ wütende Schockwellen durch Mark und Bein jagen. Den Unterschied zwischen gut und genial machen – nicht zum ersten und nicht zum letzten Mal – die Vocals aus. E. Seppänens Gesang, gepaart mit dem einen oder anderen Schrei, verbreitet Angst und Schrecken.

Die Essenz der Finnen fängt hingegen der Opener „I Am Free“ ein. Zittrige Vocals, wütende Bisse und ein Hauch von Melodramatik begleiten klaustrophobe Melodien, schleppende Drums und wohlige Schwerfälligkeit. Ein „Baikal“, vorgetragen mit dem Brustton der zerstörerischen Überzeugung, wird zur seelischen Gratwanderung mit überraschendem Disillusion-Einschlag, während das gespenstische, reduzierte „2017“ und das unverschämt eingängige „The Last Tour“ nach und nach zu Anti-Hits mutieren.

Abgesehen von den bereits erwähnten weiblichen Vocals, die immer wieder eingeflochten werden und wie ein Störfaktor wirken, geht „Zero“ absolut in Ordnung. KYPCK haben eine höchst eigenwillige Version (und Vision) von Doom gefunden und realisieren diese ohne Rücksicht auf Verluste. Rückt der ungewohnte russische Gesang erst einmal in den Hintergrund, brennen sich schwerfällige Melodik, gelebte Klaustrophobie und pointierte Wut mehr und mehr ein. Auch ohne vermeintliches Gimmick gestaltet sich diese Platte als feiner, düsterer Jahresabschluss.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 16.12.2016
Erhältlich über: Ranka Kustannus (Soulfood Music)

Website: www.kypck-doom.com
Facebook: www.facebook.com/KypckHeadquarters

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Category: Magazin, Reviews

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