Jambinai – A Hermitage

| 27. Juni 2016 | 0 Comments
Jambinai

(c) Bella Union

Irgendwann, möchte man meinen, muss Post Rock doch fertig erzählt haben. Und doch lässt dieses Genre immer wieder neue Klangfarben zu, unerwartet und mächtig. Instrumentale Rockmusik und südkoreanischer Folk? Auch das gibt es: Jambinai, die bereits 2010 mit ihrer eponymen EP debütierten, waren den Folk-Traditionalisten ihres Landes zu hart und wurden anfangs irgendwo zwischen Jazz und Crossover eingepfercht, was ihnen wiederum Awards satt bescherte. Das zweite Album „A Hermitage“ erscheint nun weltweit und präsentiert einen Sound, der vor allem für westliche Ohren angenehm anders ist.

Gitarre, Schlagzeug, Haegum (eine Art Fidel), Piri (koreanische Bambusflöte) und die koreanische Zither Geomungo sind nur einige der Instrumente, die diese 47 Minuten begleiten und gestalten. Von der ersten Sekunde an wird der leicht abgefahrene Charakter dieser Mischung deutlich gemacht, wenn das laute, knüppelharte „Wardrobe“ zu einer einzigen, beinahe metallischen Abfahrt mutiert. Sogar einzelne Vocalfetzen gestalten den kurzen Auftakt aus – abgesehen von Raps des Koreaners Ignito im düsteren, beschwörenden „Abyss“ die gesangliche Ausnahme dieses Albums.

Komplexe, zumeist ellenlange Konstrukte spielen mit grundlegendem Post-Rock-Verständnis. „Naburak“ verbindet beispielsweise Folk mit Elektronik und Percussion; bizarr aber bewegend. Typisch für das Genre hingegen: „For Everything That You Lost“ mit minutiösem Aufbau, herrlich singenden Gitarren, emotionalen Untertönen und packender traditioneller Note. Sogar ein wenig Jazz und Noise halten Einzug, wenn „Deus Benedicat Tini“ Hörgewohnheiten auf die Probe stellt. Wenn in „They Keep Silence“ schließlich alles zusammenkommt und erneut dezent geht Post Metal schielt, ist alles gut; und doch so verwirrend.

Wer diese Platte kategorisieren will, hat schon verloren. „A Hermitage“ ist alles, was Post Rock so besonders macht, und gleichzeitig genau gar nichts davon. Im musikalischen Spagat zwischen zwei komplett konträren Welten entstehen faszinierende musikalische Landschaften für geübte Ohren. Früher nannte man so etwas World Music, vielleicht auch Fusion, heute ist es einfach nur eindrucksvoll. Jambinai klingen tatsächlich wie keine andere Band, schreiben großartige Songs und verbinden Kulturen. Muss man unbedingt erlebt haben.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 17.06.2016
Erhältlich über: Bella Union / [PIAS] Cooperative (Rough Trade)

Facebook: www.facebook.com/jambinaiofficial

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Category: Magazin, Reviews

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