Nihiling – Nihiling

| 14. November 2014 | 0 Comments

Nihiling

Nihiling sehen sich vor einer großen Herausforderung: das schrittweise Kappen ihrer Wurzeln. Mit „M(e)iosis“ und „Egophagus“ etablierten sich die vier Hamburger als treibende Post- und Progressive-Rock-Kraft Mitteleuropas. Ganz verabschiedet haben sich die deutschen Nachbarn davon freilich nicht, erweitern auf dem durch Crowdfunding finanzierten „Nihiling“ ihr Spektrum allerdings um Indie Pop und FM4-taugliche Elektronik Marke The xx. Daran muss man sich erst gewöhnen.

Zu den schwersten Brocken zählt ausgerechnet der vielleicht leichtfüßigste Track der Bandgeschichte. „Tragic“ stellt poppigen Gesang – gerne auch im Duett – neben sachte Elektronik. Erst im letzten Drittel hebt der Song gen Post Rock-Grandezza mit schüchternen Oceansize-Sprengseln ab – eine Gratwanderung, natürlich, aber gerade der Schlussabschnitt lohnt das strapazierte Nervenkostüm. Das direkt davor platzierte „Hips“ hingegen übermannt in manchen Passagen mit brodelnder Elektronik und erinnert phasenweise an eine TripHop-Mischung zwischen Portishead und Stateless – große Kunst, wenngleich sehr unerwartet.

Wie sich dieses Faible für Indie-Klänge mit dem bisher gängigen Nihiling-Sound kombinieren lässt, zeigt „Do Not Make Me Axe You Again“, ein Vierminüter zwischen verstohlenem Popcharme und kurzen, umso heftigeren Rockausbrüchen. Puristen werden sich an der Rahmenhandlung erfreuen – dem instrumentalen Opener „Verylargetelescope“ und dem ebenso gesangsfreien „The Lesson Of Being Who We Are“. Prog Rock, Post Rock, Math, ein bisschen Elektronik, feinfühlige Melodien – darauf hat man gewartet, darauf hat man gehofft.

Letztlich klingt „Nihiling“ wie ein Übergangswerk, wie ein Album gefangen zwischen Storytelling-Vergangenheit und noch nicht vollends definierter Zukunft. Die teils metallische Härte ist den Hamburgern abhanden gekommen, mit den poppigen Elementen muss man sich erst anfreunden. Das dritte Album des Quartetts hat seine faszinierenden Momente, ebenso aber auch Abschnitte, die gar drastisch vor den Kopf stoßen. Auch wenn die Brillanz der beiden Vorgänger nicht erreicht wird, so lohnt sich diese eponyme Nihiling-Platte vor allem durch ihre Unberechenbarkeit, das Umgraben eines Fundaments und die mutigen Versuche Neuland zu errschließen.

Wertung: 7/10

Erhältlich ab: 14.11.2014
Erhätlich über: Kapitän Platte (Cargo Records)

Website: www.nihiling.de
Facebook: www.facebook.com/nihiling

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Category: Magazin, Reviews

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