Marathonmann – …und wir vergessen was vor uns liegt

| 23. Juli 2014 | 0 Comments

Marathonmann

In beängstigender Kürze haben sich Marathonmann in die erste Liga deutschsprachigen Hardcore Punks gespielt. Der aggressive wie emotionale Sounds mit intelligenten Texten und clever gesetzten Parolen fand im März 2013 auf „Holzschwert“ einen vorläufigen Höhepunkt, später gewährte der zweite Anzug plus Akustik-Versionen auf „Kein Rückzug, kein Aufgeben“ einen faszinierenden Einblick in die Bandbreite der Münchner. Nun also „…und wir vergessen was vor uns liegt“, das zweite Album, die nahtlose Fortführung des bisher Gezeigten.

Versteckt hat sich der Albumtitel in „Onkalo“, einem bärbeißigen Track, der gegen das Prinzip ‚aus den Augen, aus dem Sinn‘ wettert – kernig, bissig, melodisch, auf den Punkt gebracht. Davor wartet „Alles auf Null“, der programmatisch betitelte Opener. Live bereits bestens erprobt, vermengen Marathonmann hier sämtliche ihrer Einflüsse, reihen schwer atmende Rock-Passagen neben Punk-Rhythmik und angedeutetes Hardcore-Geballer. Selbst für ein wenig (Post-?)Emocore fand sich Platz, abermals durch eine wie entfesselt singenden, schreienden, wütend brüllenden Michael Lettner angetrieben.

Der Frontmann steht im Mittelpunkt von „Abschied“, einem der persönlichsten Songs bislang. Lettner verzichtet auf abstrakte Bilder, wenn er sich an seinen verstorbenen Großvater erinnert, eine prägende Figur, ein schmerzhafter Verlust. Diese deutlichen Worte bleiben beileibe nicht die einzige Überraschung: „Landschaftsleben“ bedient sich ganz unverhohlen 90s-Emocore-Gitarren. The Juliana Theory lassen grüßen, an diese ungewohnte Färbung muss man sich freilich erst gewöhnen. Nackenbrecher, wie „Zwei mal Zwei“, „73162“ und die erste Single „Diese Hände“, führen wieder auf Kurs mit gewohnter Kost.

Zwar fällt die zweite Albumhälfte insgesamt leicht ab, doch letztlich weiß, wie schon auf dem Vorgänger, bei Marathonmann auch dieses Mal das vermeintliche Füllmaterial zu unterhalten. „…und wir vergessen was vor uns liegt“ bietet Verfeinerungen, Nuancierungen im Kleinen und vermeidet es tunlichst, das bisherige, erfolgsversprechende Rezept über den Haufen zu werfen. Die Münchner bieten ein Album lang genau das, was man sich von ihnen erhofft hat: eingängige Wellenbrecher mit einer gesunden Dosis Evolution.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 25.07.2014
Erhätlich über: Century Media (Universal Music)

Website: www.marathonmannband.de
Facebook: www.facebook.com/marathonmannband

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Category: Magazin, Reviews

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