Marathonmann – Holzschwert

| 19. März 2013 | 0 Comments

Marathonmann

Marathonmann sind also, ein wenig überraschend, bei Century Media gelandet. Der Überraschungseffekt bezieht sich keineswegs auf die musikalische Qualität, sondern auf den Sound: melodischen, gelegentlich melancholischen Hardcore mit starkem Punk-Einschlag und deutschsprachigen Texten. Das Quartett aus München gibt es erst seit Juni 2011, doch spätestens mit dem letztjährigen Release ihrer EP „Die Stadt gehört den Besten“ spielten sich die Bayern in das kollektive Bewusstsein von Hardcore Punk-Hörern und Kritikern. Tour-Aktivitäten mit Comeback Kid, Living With Lions sowie Rap-Crossover-Senkrechtstarter Casper waren die Folge, ebenso ein Auftritt im Rahmen der Jahresabschluss-Show der Donots. Bloß nicht Hype schreien – „Holzschwert“, das Debütalbum, lässt sich von derartiger Sensationslust nicht verwässern.

Besagtes „Die Stadt gehört den Besten“ findet sich auch hier wieder, allerdings in einer neuen Version. Die Vocals mögen nicht ganz so bissig sein, gerade die Drums knallen dafür ordentlich. Was Marathonmann können, zeigt bereits der Opener „Wenn du dem Teufel deine Hand gibst“. Angetrieben von einer aggressiven, stets druckvollen Rhythmusabteilung, sägen die Giarren fies. Michael Lettners Mischung aus Gesang und Shouts erinnert ein wenig an Turbostaat und Adolar, geht ob seiner Phrasierung an die Substanz, kennt kein Pardon. Verschnaufen kann man anderswo. Apropos Adolar: deren Frontmann Tom Mischok leiht dem melancholischen Punker „Räume“ seine Stimme.

Er bleibt nicht der einzige Gast dieser Platte. Richard Meyer von KMPFSPRT nimmt sich für das schwerfällige „In den Trümmern deiner Sätze“ Zeit, Guido Knollmann von den Donots ist Teil der Kampfansage „Wir sind immer noch hier“. Die Hits sind jedoch andere Tracks: „Holzschwert“ als Titeltrack folgt seinen eigenen Träumen und steigt dafür in melancholische Untiefen hinab. Gerade die ruhigen, beinahe gesprochenen Passagen bewegen, bevor die Münchener das Gaspedal ein wenig durchdrücken und so etwas wie einen Husarenritt zumindest andeuten. Einen solchen lässt „Unter Tränen“ zu, das gleichermaßen zu den intensivsten und nachdenklichsten Tracks dieser Platte zählt, in letzterer Kategorie einzig vom erhabenen, beinahe hymnischen Finale „Schiffe versenken“ übertroffen.

Wirkliche Schwächen hat das Marathonmann-Debüt nicht, auch wenn es zur Album-Mitte ein paar kleinere Wiederholungen setzt, die nicht weiter ins Gewicht fallen. Am besten funktioniert „Holzschwert“ in seiner Gesamtheit. „Wenn du dem Teufel deine Hand gibst“ lädt mit seiner impulsiven, druckvollen Instrumentierung auf eine kleine Reise ein, bestimmt durch hymnische Höhepunkte und melancholisch inszenierten, wohlfeilen Wellengang, der in „Schiffe versenken“ den Kopf unter Wasser taucht. Letztlich sind Label- und Genrefragen völlig irrelevant, weil sie dieser starke Einstand ganz locker ad absurdum führt.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 22.03.2013
Erhätlich über: Century Media (EMI Music)

Facebook: www.facebook.com/marathonmannband

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Category: Magazin, Reviews

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