Scraps Of Tape – Sjätte vansinnet

| 14. März 2014 | 0 Comments

Scraps Of Tape

Der sechste Sinn, im Englischen „the sixth sense“ und damit Titel eines Blockbusters, treibt den Menschen an, lässt ihn in eigentlich verschlossene Dimensionen blicken und Dinge erkennen, die für andere ein Mysterium bleiben. Scraps Of Tape erkennen dahinter Abgründe, psychosomatische Abstürze und benennen ihr neues Album entsprechend „Sjätte vansinnet“, zu Deutsch „der sechste Wahnsinn“. Bereits seit 2001 vermengt das schwedische Quintett instrumentale Post-Rock-Monolithen mit Math-Süße und Post-Hardcore-Härte, nunmehr endgültig auf die Spitze getrieben.

Wer einfache Lösungen sucht, verharrt besser vor verschlossenen Toren, denn diesen Skandinaviern zu folgen, kann zu einer Lebensaufgabe werden. Bereits der Opener „We, The Leftheaded“ stellt den Hörer vor Herausforderungen. Mit der Tür ins Haus fallen sie, die Schweden, überraschen mit wohlgeformten Melodien, wuchtigen Drums und leicht entrückten Vocals aus dem Indie-Kanon. Ist man etwa im falschen Film gelandet? Nein, denn Scraps Of Tape halten durchaus jene komplexen bis verträumten Versprechen, lösen diese aber auf Raten ein. Wenn nach knapp zwei Minuten ein Breakdown in entfremdete Hardcore-Gefilde mit Noise-Anteilen entführt, deutet sich erstmals an, was auch die neun weiteren Songs bestimmen wird: latenter Wahnsinn.

Kategorisieren lassen sich Scraps Of Tape sowieso nicht. Instrumentale Math-Wuchtbrummen mit Hardcore-Anteil wie „Teardrop Fucking Dropkick“ stehen neben harmonischen MoR-Rockern der Marke „Hands In Hands“ und verträumten Post-Rock-Weisheiten wie „Once We Were“. Einen roten Faden sucht man vergebens, erkennt jedoch, dass diese unruhige Masse irgendwie zusammengehört, in der Albummitte mit dem sehr amerikanischen Post-Hardcore-Wellenbrecher „Vultures With High Heels“ einen schier unmenschlichen Höhepunkt erlebt, neben dem die schroffe Desaparecidos-Weisheit „Log Cabin“ trotz aller Brillanz nichtig wirkt.

Vor allem muss man „Sjätte vansinnet“ mehrfach gehört, zerlegt und wieder zusammengesetzt haben, bevor sich diese Platte auch nur annähernd erschließen kann. Widerspenstiges Zucken, hektische Harmonie und selbstheilende Wunden sind notwendige Begleiterscheinung dieser 37 Minuten. Scraps Of Tape zerstückeln verschiedene Genre-Blaupausen und setzen sie neu zusammen, lassen Indie- und College-Rock-Weisheiten ebenso durchscheinen wie ein Faible für Refused und Breach. Bringt man die nötige Geduld mit, könnte man über Umwege ein neues Liebkind entdecken.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 14.03.2014
Erhätlich über: A Tendervision Recording (AL!VE)

Website: www.scrapsoftape.com
Facebook: www.facebook.com/scrapsoftape

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Category: Magazin, Reviews

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