Thirty Seconds To Mars – Love Lust Faith + Dreams

| 9. Juni 2013 | 0 Comments

Thirty Seconds To Mars

Thirty Seconds To Mars machen es langjährigen Fans der Truppe nicht einfach. Weiterentwicklung ist generell keine schlechte Sache, ja sogar wünschenswert. Der Risikofaktor liegt in der Richtung, die man einschlägt, und wie weit man sich letztendlich von den Roots entfernt. Mit ihrem vierten Silberling „Love Lust Faith + Dreams“ scheinen sich Jared Leto und Co. wohl endgültig von ihrer Industrial Rock-Ära mit Alternative Metal-Einschlag zu verabschieden. Der Rock-Faktor tritt nach dem letzten, schon relativ radiotauglichen Output „This Is War“ jedenfalls noch weiter in den Hintergrund.

An der Produktion gibt es eigentlich nichts zu meckern. Man hört, dass der Sound auf elektronische Spielereien zugeschnitten wurde und erzeugt (leider auf Kosten der Gitarren) genug Raum für Effekthascherei. Mit „Birth“ beginnt der zwölf Songs umfassende Reigen geheimnisvoll, orchestral und basslastig, was zu gefallen weiß. Das folgende „Conquistador“ repräsentiert bereits kurz nach Beginn den einzig wahren Rocker der Platte. Die Gitarren sind schön präsent, die Drums hämmernd und auch Letos Stimme klingt kraftvoll und eindringlich.

„Up In The Air“ spaltete die Fangemeinde schon vor der Albumveröffentlichung. Synthis und elektronische Drum-Beats geben den Ton an. Die erste Single ist ein an und für sich guter Song, der aber – vom Rock-Standpunkt aus – zu sehr auf Massentauglichkeit zugeschnitten wurde. Die berühmten Gang-Shouts und „Woah Woahs“, die anno 2009 durchaus positiv hervorzuheben waren, verfehlen vier Jahre später ihre Wirkung. Zu oft werden Effekte recycelt, die man bereits auf dem Vorgänger zur Genüge gehört hat. Dieses Mal kommt noch Jareds ständiges Wiederholen von einzelnen Worten oder kurzen Textpassagen („Conquistador“, „The Race“, „Bright Lights“, „Do Or Die“) dazu, was auf die Dauer schlichtweg nervt.

Die Halb-Ballade – und weitere potentielle Single – „City Of Angels“ stellt, trotz oberflächlicher Lyrics und wiedergekäuten Plattitüden, einen weiteren Lichtschimmer der Platte dar. Auch wenn die Gitarren erst gegen Ende zu hören sind, vermag der Song mit knackigem Drumming von Shannon Leto und stimmiger Atmosphäre zu überzeugen. Die düstere Ballade „End Of All Days“ wird Großteils von Jareds hingebungsvollen Gesang, dezenten Drum-Beats und durchaus passenden Synthi-Passagen getragen.

Dass Jared Leto alias Bartholomew Cubbins eine verdammt kreative Ader besitzt, wird schon in den Musikvideos deutlich. Anders gesagt, Ideen hat der Herr genug. Zehn Jahre nach dem erstklassigen Debüt scheint es aber etwas an der Umsetzung zu hapern. „Bright Lights“ wurde so sehr auf Indietronic getrimmt, dass jegliche Power flöten geht. Die altbewährten „Ohs“ und „Ahs“ hat man bereits von U2 oder auch Angels & Airwaves oft genug serviert bekommen und werten die Nummer auch nicht sonderlich auf.

Was für ein epischer Kracher hätte „Do Or Die“ werden können, hätte man Drum-Computer und Synthi kurz in die Ecke gestellt, das Schlagzeug ausgepackt und Gitarrist Tomo Milicevic von seiner scheinbar überlangen Kaffeepause zurückgeholt? Ähnliches gilt für „Northern Lights“. Genau wie unsympathische Zuspätkommer im ohnehin schon überfüllten Konzertsaal, drängen sich Synthis und elektronische Drum-Beats einmal mehr penetrant in den Vordergrund. Gegen Ende der Platte fragt man sich wirklich, wie groß (oder klein) der Input von Herrn Milicevic tatsächlich gewesen ist.

Was „Love Lust Faith + Dreams“ daran hindert abzuheben, ist der scheinbar ständige Drang von Thirty Seconds To Mars, sich mit jedem Album neu zu erfinden. Diese Experimentierfreudigkeit führt leider dazu, dass viele der Songs im banalen Nirgendwo enden. Hin und wieder sollte man Rock einfach Rock sein und Vorsicht außer Acht lassen. Synthis und Drum-Computer sind als Geschmacksverstärker schon was Tolles. In diesem Fall geht das Unterfangen jedoch etwas nach hinten los und zurück bleibt ein zwar gutes, aber leider auch sehr vorhersehbares und prätentiöses Werk. Einen Extrapunkt kann man locker machen, da man weiß, dass es die Jungs besser können und die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Wertung: 7/10

Erhältlich ab: 17.05.2013
Erhältlich über: Capitol Records (Universal Music)

Website: www.thirtysecondstomars.com
Facebook: www.facebook.com/thirtysecondstomars

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Category: Magazin, Reviews

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