Orphaned Land – All Is One

| 18. Juni 2013 | 0 Comments

Orphaned Land

Zeit für ein bisschen Frieden, ein bisschen Völkerverständigung. Mit seiner Band Orphaned Land ist Kobi Farhi längst über die Grenzen seiner israelischen Heimat bekannt, veröffentlicht seit mittlerweile 20 Jahren Alben. Nach dem gelungenen Extreme-Prog-Nackenschlag „The Never Ending Way Of ORwarriOR“ werden nun andere Seiten (bzw. Saiten) aufgezogen. Farhi geht es darum, eine Brücke zwischen Ost und West zu schlagen, vor allem aber den musikalischen Dialog zwischen Judentum und Islam zu finden. „All Is One“ geht mit großen Ambitionen ins Rennen und wird so manchen Fan von „Mabool“ bzw. des letzten Albums vor den Kopf stoßen.

Death Metal-Elemente und Growls findet man nur in den seltensten Fällen, beispielsweise im finsteren, schwerfälligen „Fail“, das in manchen Passagen entfernt an Paradise Lost und My Dying Bride erinnert, zwischendurch jedoch bandtypische Klänge einstreut. Ebenso geht „Our Own Messiah“ mit kleineren „Mabool“-Zitaten unter die Haut, übt Druck aus, spielt mit Jazz und 70s-Prog. Viel typischer ist jedoch der Opener „All Is One“ mit eingängigem Refrain, beinahe poppigen Einflüssen, orientalischem Auftakt und dramatischen, gleichzeitig neonfarbenen Chören. Als Auftakt in die neue Orphaned Land-Ära wirkt dieser Song nach „The Never Ending Way Of ORwarriOR“ geradezu verstörend, erschließt sich erst nach mehreren Durchläufen und bleibt schließlich im Ohr.

Fühlt man sich in diesem Feld wohl, stürzt man sich automatisch auf „Ya Benaye“ (im Original vom jemenitischen Musiker Aharon Amram, zu Deutsch „Mein Schatz“) und die verspielte Abfahrt „The Simple Man“, eine arabeske Schönheit. Einzig der Pathos von „Shama’im“ (dt. „Himmel“) stört, schlägt auf das Gemüt und lässt eine gute Idee auf eine Sandbank auflaufen. Viel interessanter sind hingegen die beiden Balladen des Albums. „Brother“ hat ebenfalls Pathos gepachtet, macht als versuchte Vereinigung der jüdischen und arabischen Stimme (Isaak schreibt einen Brief an Ismael) mit ergreifender Melodik jeden Anflug von Gefühlsduselei vergessen. Der Rausschmeißer „Children“ setzt sogar noch einen drauf mit großartigem Bouzouki-Einsatz und ein wenig Härte zwischendurch.

Freilich ist diese musikalische Reise durch den Orient nicht für jeden geeignet, zumal sich Orphaned Land einmal mehr weit von ihren letzten Platten entfernen. „All Is One“ versteht sich auf das Gemeinsame, auf den Zusammenhalt zwischen den Völkern, auf das Überwinden religiöser und politischer Grenzen. Gab es bereits im Rahmen von „The Never Ending Way Of ORwarriOR“ eine Petition, die Israelis für den Friedensnobelpreis nominieren zu lassen, so würde es wohl kaum verwundern, wenn es im kommenden Jahr genau dazu käme. Hat man sich erst einmal in „All Is One“ reingehört, entdeckt man die musikalische Stärke, die Dichte, die songwriterische Intelligenz dieses Quintetts. Man muss sich bloß trauen.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 21.06.2013
Erhätlich über: Century Media (Universal Music)

Website: www.orphaned-land.com
Facebook: www.facebook.com/pages/Orphaned-Land/8776213035

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Category: Magazin, Reviews

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