Cult Of Luna – Vertikal

| 25. Januar 2013 | 0 Comments

Cult Of Luna

Gigantische Fabrikhallen, riesige Maschinen, Fließbandarbeit, Schweiß, unwirtliche Arbeitsbedingungen, eine schier unüberblickbare Menschenmenge, die für den Reichtum der Oberschicht schuftet, Verzweiflung und Revolution liegen in der Luft, lineare Strukturen dominieren das Geschehen. Wenn Cult Of Luna fünf Jahre nach „Eternal Kingdom“ mit einem neuen Album auftauchen, kann man davon ausgehen, dass sich bei den Schweden einiges getan hat. Nicht nur, dass Sänger Klas Rydberg nicht mehr mit an Bord ist – die beiden Gitarristen Johannes Persson und Frederik Kihlberg teilen sich die Vocals – auch auf musikalischer Ebene hat man sich neu eingerichtet. „Vertikal“ versteht sich auf Monotonie, Geradlinigkeit und Kälte, inspiriert durch einen der wichtigsten Filme aller Zeiten.

Die eingangs beschriebene Szenerie entstammt Fritz Langs „Metropolis“, jenem monumentalen Filmerlebnis, das bei seinem Erscheinen 1927 von Kritikern verrissen wurde und heute als vielleicht wichtigster deutscher Film, als Meilenstein des expressionistischen Kinos gilt. Cult Of Luna geht es freilich nicht um ein Konzeptalbum, sie ließen sich lediglich von der Atmosphäre des Films inspirieren, was „Vertikal“ einen klirrend kalten, geradezu maschinellen Anstrich verleiht. Dazu passt auch, dass inmitten des 19 Minuten langen „Vicarious Redemption“ für kurze Zeit die Gitarren in den Hintergrund treten und eine Dubstep-artige Bassline die Vocals unterstützt. Hier wird freilich nicht auf billige Skrillex-Trittbrettfahrerei gesetzt, denn dafür klingen diese wenigen Sekunden zu frostig, zu spontan, zu verstörend. Dass rundherum ein Opus Magnus von gar opulenter Statur, eingeleitet von beinahe acht Minuten Keyboards und zum Teil klaren Gitarren, gezaubert wird, das beim Hörer wohl über Ekstase oder Ablehnung dieser Platte entscheiden dürfte, soll nicht unerwähnt bleiben.

Vor dieser Tour de Force steht „I: The Weapon“, einer der besten Songs, den Cult Of Luna je aufgenommen haben. In gut neun Minuten packen die Schweden all das, was sie über die letzten Album stark gemacht hat: wütende, ausladende Post Metal-Collagen, giftige Vocals und eine Prise progressiver, melodischer Hoffnung, angereichert mit klagenden, schroffen Gitarren. Die „Metropolis“-Atmosphäre manifestiert sich in weiterer Folge deutlich, was vor allem mit einem deutlich prominenteren Einsatz von Keyboards und Samples einhergeht. Natürlich sind „Mute Departure“ und „Synchronicity“ immer noch angenehm hart und metallisch, sie werden dafür schrittweise gekühlt, methodisch entstellt und durch jene Maschinen gejagt, die dem abschließenden „Passing Through“ einen bedrohlichen, geradezu gespenstischen Unterton verleihen.

Davor steht jedoch „In Awe Of“, das „Vertikal“ gewissermaßen zusammenfasst mit seinem schroffen Antlitz, dem zusammengekniffenen Blick und den seltenen, hoffnungsvollen Momenten, die zumindest den Versuch wagen, durch Stahl und Draht zu brechen. Dieses Unterfangen gelingt jedoch nicht, Cult Of Luna resignieren und sacken geradezu leblos zusammen. So dramatisch das Auftreten auch ist, so lebhaft klingen die Schweden auf ihrem neuen Album, auch wenn das industrialisierte Auftreten davon ablenkt. „Vertikal“ ist ein ordentlicher Brocken, der weit über eine Stunde dauert und, wenn man ein Faible für Understatement hat, sich zumindest schwierig gibt. Die Reise geht in eine Welt, ähnlich jener in Fritz Langs „Metropolis“, die trost- und aussichtslos wirkt, die Krankheit und Tod als einzig möglichen Ausweg sieht, wo jegliche Hoffnungen begraben liegen. Auf musikalischer Ebene ist die neue Platte eine große Herausforderung, wobei der ausladende Keyboard-Einsatz keineswegs stört. Es sind letztlich die überlangen Intros und Zwischenspiele, die nur bedingt zur sehr speziellen Atmosphäre beitragen und letztlich auch die Höchstwertung verhindern. Und doch hat „Vertikal“ das Zeug zum Klassiker, gerade weil Cult Of Lund auf Nachhaltigkeit setzen und die Grenzen des Hörbaren für ein Mammutwerk, das Mut und Verbitterung nebeneinander stellt, ausgereizt haben.

Wertung: 9/10

Erhältlich ab: 25.01.2013
Erhätlich über: Indie Recordings (Edel Music Distribution)

Website: www.cultofluna.com
Facebook: www.facebook.com/cultoflunamusic

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Category: Magazin, Reviews

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