Callejon – Man spricht Deutsch

| 24. Januar 2013 | 2 Comments

Callejon

Leichte Kost ist das nicht unbedingt. Man ist versucht, „Man spricht Deutsch“ von Callejon innerhalb der ersten fünf Minuten als unglaublichen Schwachsinn abzutun. Denn dieses Album nimmt alles, was es in den letzten Jahrzehnten an penetranter deutschsprachiger Musik gegeben hat, und verwurstet es metallisch, aber gnadenlos. Das ist nicht immer gut, teilweise sogar weit entfernt von jeglichem musikalischem Anspruch. Und funktioniert auf Albumlänge überraschenderweise doch. Obwohl sich die Band selbst alle Mühe gibt, das zu verhindern. Auf dem Cover prangt der Name „Kallejon“ (schließlich spricht man ja Deutsch) und die Bandmitglieder selbst haben sich spontan neue Pseudonyme verpasst. Seriös geht anders.

Los geht’s mit dem Anti-Nazi-Heuler „Schrei nach Liebe“, der auch als erste Single fungieren muss. Sogar Altmeister Bela B. gibt sich im Refrain die Ehre, obwohl seine Stimme in der Metalcore-Umgebung leicht gegen Shouter BastiBasti (pardon, auf diesem Album heißt er ja GeorgGeorg) untergeht. Dennoch wird schon bei der ersten Nummer klar, worauf Callejon abzielen: Durch Doublebass und Vollgas-Gitarren wird die ehrwürdig-ergraute Hymne plötzlich treibend und absolut moshbar. An der Songstruktur selbst oder gar am Text wird absolut nichts geändert, Hauptsache Vollgas.

Hat „Schrei nach Liebe“ im Original schon Legenden-Status, wird es eher bei Songs wie „Durch den Monsun“ oder „Ich find dich scheiße“ spannend (ganz recht, die Nummern von Tokio Hotel und Tic Tac Toe). Und holla, so viel Pfeffer hätte man diesen tränigen Songs gar nicht zugetraut. Natürlich arbeiten Callejon hier mit begrenzten Möglichkeiten, denn aus solchem Songmaterial kann man auch mit noch so vielen Gitarren kein Gold machen. Sie erfüllen die Aufgabe aber gut genug, um ein leichtes Grinsen ins Gesicht zu zaubern. Leichter ist es da natürlich bei Songs wie „Alles neu“ von Peter Fox, die schon im Original tanzbar sind. Die Highlights sind aber „Hier kommt Alex“ und „Major Tom“. Ersteres, weil dem Hosen-Klassiker nur noch ein bisschen mehr Tempo und Härte hinzugefügt werden musste, zweiteres, weil hier die Neuinterpretation mit Abstand am besten gelungen ist. Der Viereinhalbminüter verrät als einziger Song auf der Platte nicht sofort, dass er nicht original im metallischen Bereich zuhause ist. Und die neue Schale tut der an sich eher gediegeneren Nummer durchaus gut.

„Man spricht Deutsch“ stellt schlicht und einfach das perfekte Feigenblatt dar. Callejon graben sich quer durch die deutsche musikalische Vergangenheit, damit Metaller endlich zu diesen Songs abgehen können, ohne sich schämen zu müssen – ist ja jetzt eh alles Metal. Kein großer musikalischer Wurf, aber für die nächste Party zu später Stunde der optimale Soundtrack. „Alles nur geklaut“ heißt der letzte Song passenderweise. Das passt schon, muss ja nicht immer alles so ernst sein.

Wertung: 7/10

Erhältlich ab: 11.01.2013
Erhältlich über: Four Music (Sony Music)

Website: www.callejon.de
Facebook: www.facebook.com/callejon

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Category: Magazin, Reviews

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