In Aevum Agere – The Shadow Tower

| 4. Dezember 2012 | 0 Comments

In Aevum Agere

Mit dem Abschied von Candlemass ist ein Platz in der klassisch angehauchten Doom-Oberliga frei geworden. Kandidaten gibt es einige, unter anderem Pilgrim und die stellenweise an Mercyful Fate erinnernden Altar Of Oblivion. Auch In Aevum Agere wollen ein Stück vom Kuchen naschen. Hinter dem italienischen Trio steckt mit Bruno Masulli (u.a. Loadstar, Power Beyond, Annihilationmancer, ex-Savior From Anger) zumindest kein gänzlich Unbekannter. Irgendwo zwischen Epic Doom Metal und Power Metal agiert sein neuestes Baby, das nach der EP „MMXI“ nun das Debütalbum „The Shadow Tower“ an den Mann bringt.

Einfach fällt der Einstieg nicht gerade. Zwar punktet der Titeltrack „The Shadow Tower“ mit einem mächtigen Riff und ebenso anständigen Drums – die Produktion fällt schlicht aber effektiv aus – doch Masullis Vocals sind mehr als nur gewöhnungsbedürftig. Die normale Singstimme kreuzt klassische Metalgesten mit bedrohlichen Untertönen – so weit, so amtlich. Gerade die Backings und das Falsett funktionieren aber nicht immer, werden in manchen Momenten sogar zum Störfaktor. Immerhin werden diese Elemente nur selten eingesetzt. „Domino“ verliert dadurch ein wenig an Schlagkraft, zumal auch die Dame, die Masulli hier unterstützt, deplatziert wirkt, auch das stark reduzierte „Silent“ will nicht so recht aufgehen. Es sind aber immerhin nur kurze Momente der musikalischen Irrfahrt, die einigermaßen getilgt werden.

Gerade die letzten beiden Songs haben es sich in sich: Kaum drehen In Aevum Agere ein wenig auf, werden sie noch eine Spur attraktiver. Zwar verzettelt sich Masulli zu Beginn von „Ire Of Solitude“ ein wenig, doch nach zahlreichen Soli und monumentalen Melodiebögen findet auch der Chef schnell wieder zurück in die Spur. Der wütend aufstampfende Rausschmeißer „Son Of Unknown“ mit dezenten Thrash-Untertönen ist sogar so etwas wie ein echter Hit. Wer es klassischer mag, dürfte vor allem an der großen Hymne „The Last Farewell“ Gefallen finden. Die Nähe zu Power Metal-Klängen wird hier deutlich, dürfte aber selbst eingefleischte Doom-Fans kaum stören, denn die Italiener halten sich von peinlichen Gesten fern und setzen dafür auf nachdenkliche, zuweilen finstere Eingängigkeit.

„The Shadow Tower“ ist ein Album, das man sich erarbeiten muss, für das kein schlichtes Anteasern reicht. Bruno Masullis Gesang spaltet die Lager, ist in geregelten Bahnen aber eine wirkungsvolle Waffe für Freunde klassischer Klänge. Die Mischung aus melodischem Doom und der alten Metal-Schule geht auf, wirft zahlreiche Hymnen ab und macht damit kleinere Irrfahrten erträglicher. Einzig der nervige Dame, die die Backings übernimmt, sollte man schnellstmöglichst die Tür zeigen – ein gewaltiger Störfaktor, der die eingängigsten Momente vernichten kann. Für den Doom-Thron reicht es freilich nicht, als Farbtupfer in diesem breit gesteckten Genre sind die Italiener In Aevum Agere jedoch mehr als willkommen.

Wertung: 7/10

Erhältlich ab: 07.12.2012
Erhätlich über: Pure Steel Records (H’ART)

Website: www.inaevumagere.com
Facebook: www.facebook.com/pages/IN-AEVUM-AGERE/35718522561

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Category: Magazin, Reviews

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