Interview mit A Liquid Landscape

| 2. März 2012 | 0 Comments

A Liquid Landscape

In einer Ära, in der nahezu jede neue Band glaubt, das nächste große Ding zu sein, ist es immer wieder erfrischend auf Bands zu treffen, welche den Boden unter den Füßen noch nicht verloren haben. Die holländischen Art-Rocker A Lquid Landscape betonen, dass es sich bei Musik immer noch um eine Kunstform und keinen Wettkampf handelt. Ein bescheidener und sympathischer Fons Herder (Vocals, Gitarre) hat bei uns durchgeklingelt, um uns zu erzählen was es heißt, „australisch“ zu klingen, und warum ihr Debüt „Nightingale Express“ mehr als nur ein Hörerlebnis ist.

Bitte erzähle uns doch kurz etwas über die Entstehungsgeschichte der Band. Wie habt ihr angefangen?

A Liquid Landscape gibt es seit September 2009. Davor waren wir zwar auch schon eine Band, haben aber andere Musik gemacht. Nach einigen Line-Up-Wechsel hat es sich irgendwann nicht mehr wie eine echte Band angefühlt. Wir haben auch bemerkt, wie sich unser Schreibprozess verändert hat. Wir haben Riff-orientierten Rock gespielt, bis wir irgendwann keine Lust mehr darauf hatten. Irgendwann haben wir mehr Gefallen an atmosphärischen Gitarren-Passagen gefunden. Zuerst sind wir immer von einem Riff ausgegangen und haben den Rest des Songs darauf aufgebaut. Die immer häufiger auftretenden atmosphärischen Gitarren-Parts haben uns geholfen, die Songs um einiges dynamischer zu gestalten. Das hat uns wirklich die Augen geöffnet. Auf der einen Seite sind unsere Songs besser geworden und auf der anderen Seite sind wir auch als Musiker gereift.

Das Debütalbum "Nightingale Express" ist gerade in Europa erschienen. Wie sieht deine Erwartungshaltung aus?

Das ist eine schwierige Frage. Hier in Holland ist der Markt für diese Art von Musik nicht sonderlich groß. Darum hoffen wir natürlich, dass unser Album in anderen europäischen Ländern gut ankommt. Wir sind für jede Art von Hilfe dankbar. Interviews wie dieses helfen uns wirklich sehr, deshalb vielen Dank dafür. Wir haben auch schon einige Reviews bekommen, welche bis jetzt allesamt positiv waren. Auch von den Metal-Webzines haben wir bereits viel positives Feedback erhalten, was uns überrascht hat. Das freut mich sehr.

Nach dem ersten Hördurchgang der Platte kann man durchaus Parallelen zu australischen Alternative Rock-Bands wie Karnivool und The Butterfly Effect ziehen. Wurdet ihr von diesen Bands in irgendeiner Weise beeinflusst?

Komisch, dass du diese Bands erwähnst, denn Forrester Savell, der schon die Alben von Karnivool und The Butterfly Effect produziert hat, hat auch „Nightingale Express“ seinen Stempel aufgedrückt. Das hat sicher etwas damit zu tun, dass wir so „australisch“ klingen. Als wir mit den Arbeiten zum Album angefangen haben, kannten wir diese Bands aber noch nicht. Kurz nachdem die Songs fertig geschrieben waren, haben wir schließlich Karnivool entdeckt. Die Jungs haben unsere Welt auf den Kopf gestellt. Der Sound auf ihrer letzten Platte war einfach fantastisch. Das war auch der Grund, warum wir Forrester kontaktiert haben, um unser Album zu mixen. Es kann sein, dass auf unserem nächsten Album einige Karnivool-Einflüsse zu hören sein werden.

Wenn es also nicht die australische Szene war, welche Bands haben euch bis jetzt am meisten beeinflusst?

Alle vier von uns hören verschiedene Musik und werden deshalb auch von unterschiedlichen Musikern beeinflusst. Als wir angefangen haben, hörten wir sehr viel Musik von Bands wie Nirvana oder Deftones. Im Grunde haben uns all die Bands beeinflusst, welche es einfach drauf hatten, schwere Gitarren mit cleanen Vocals und schönen Melodien zu vereinen. Später entdeckten wir noch Bands wie Porcupine Tree und Tool, die uns noch mehr Türen öffneten und uns zeigten, was soundtechnisch so alles möglich ist.

Lass uns etwas über euer Album sprechen. Was verbirgt sich hinter dem Titel "Nightingale Express"?

Der Titel ist eine Art Metapher für die Reise, auf der sich Hauptcharakter des Albums befindet. Es steht auch für das Zwielicht, welches den Reisenden umgibt. „The Wanderer“, wie er im Laufe des Albums genannt wird, lässt Dinge zurück, von denen er glaubt, dass er sie nicht mehr braucht. Am Ende findet er heraus, dass ihm das, was er zurückgelassen hat am meisten fehlt. Es kann sein, dass es letztendlich keinen Weg zurück gibt.

Gibt es einen Song auf dem Album, der besonders viel für dich bedeutet?

Nein. Auf dem Album gibt es keinen Song, der nicht wichtig ist. Jeder Track trägt seinen Teil zur Geschichte bei. Das betrifft nicht nur den Inhalt der Geschichte, sondern auch den Sound der Band. Wenn du einen Song rausnimmst, fehlt dir ein wichtiges Teil des Bildes. Es kann jedoch sein, dass der Titelsong alles abdeckt wofür wir als Band stehen. Der Song kommt aber gänzlich ohne elektronische Elemente aus, also stimmt das auch wieder nicht ganz. „Nightingale Express“ ist wirklich ein intensiver Ritt mit ruhigen und heftigen Passagen. Meiner Meinung nach kommen sogar die härtesten Passagen des ganzen Albums darin vor.

In anderen Worten: einen persönlichen Favoriten gibt es für dich nicht?

Nicht wirklich. Irgendwann gibt es Momente, wenn du gewisse Songs live nicht mehr spielen willst. Dann nehmen wir den einen oder anderen Song aus dem Set. Wenn wir die Nummer aber wenig später wieder spielen, bekommen wir für gewöhnlich dieses Glücksgefühl, wobei uns bewusst wird, warum wir den Song geschrieben haben.

Eines der faszinierendsten Dinge des Albums ist die Zusammenarbeit mit dem Filmemacher Lex Vesseur. Er hat nicht nur einen Kurzfilm zum Album gemacht, sondern ist auch für das Artwork und die Live-Visuals verantwortlich. Somit verwandelt sich "Nightingale Express" in ein waschechtes Multimediaprojekt. Wie kam es zu dieser Kollaboration?

Lex ist ein jahrelanger Freund von uns. Wir fanden seine wunderschönen Artworks schon immer sehr beeindruckend. Da er auch ein Fotograf ist, haben wir gleich einen Fototermin mit ihm arrangiert. Wir fanden die Fotos toll und haben ihn deswegen auch gefragt, ob er nicht das Artwork für unsere Demo-CD machen könnte. Da er nicht nur ein Freund der Band, sondern auch ein Fan unserer Musik ist, stimmte er sofort zu. Dabei haben wir uns Gedanken über das Konzept des Albums gemacht. Er hat uns ein paar Filmclips gezeigt und uns gefragt, ob wir nicht ein paar für etwas Online-Promotion benutzen wollten. Der nächste Schritt war dann das Filmskript. Irgendwie hat das eine Art Eigendynamik entwickelt. So haben wir uns nach der Filmidee sofort überlegt, wie wir dieses Konzept live umsetzten können. Also waren Visuals der logische nächste Schritt. Mittlerweile würde ich Lex schon als fünftes Bandmitglied bezeichnen.

Gibt es schon Pläne für eine Europa-Tour?

Wir arbeiten dran. Mehr kann ich leider noch nicht sagen.

Wenn es dann soweit ist, dürfen wir uns auf eine stimmige Live-Show inklusive erwähnter Visuals freuen?

Das hängt von den Clubs ab, aber wir wollen auf jeden Fall das komplette Erlebnis mit unserem VJ bieten. Auch wenn das Setup der Show im Großen und Ganzen dasselbe ist, so improvisieren wir Musiker auf der Bühne genauso viel wie Lex mit seinen Visuals. Das unterscheidet uns zum Beispiel von einer Band wie Tool, welche die gleichen Visuals immer und immer wieder verwenden und sich auch am Ablauf nicht viel ändert.

Ihr habt bereits für Bands wie Thrice, Anathema und Karnivool eröffnet. Wie waren die Reaktionen vom Publikum und den Bands?

Die Shows haben uns auf alle Fälle gut getan. Wir haben immer eine Menge Merchandise verkauft. Sogar als wir vor einer Band wie Thrice gespielt haben, waren die Leute von uns angetan. Ich sehe zwischen dem Sound von Thrice und uns nicht viele Gemeinsamkeiten, deshalb war ich davon wirklich überrascht. Bei Karnivool waren die Reaktionen sogar noch besser. Was die Reaktionen der Bands angeht, kann ich das nicht so genau sagen. Wir wollen die Bands, für die wir der Opener sind, nicht stören. Manchmal kommen sie zu uns und manchmal nicht. Die Jungs von Karnivool waren wirklich nett, hingen Backstage mit uns ab und gaben uns eine Menge Tipps.

Was macht deiner Meinung nach A Liquid Landscape so besonders?

Wir sind einfach Künstler. Auch wenn es eine Menge Bands gibt, betrachten wir das nicht als Wettkampf. Ich mache die Musik, die mir gefällt. Wenn es anderen nicht gefällt, dann sollen sie eine andere Band hören. Das macht mir nichts. Wenn wir in einer Band nur des Geldes wegen wären, würden wir ganz andere Musik machen. Wir sind einfach dankbar für jedes Interview, jede gute Plattenkritik und jedes verkaufte T-Shirt.

Da du noch nicht viel über Tour-Pläne sagen kannst, was steht als nächstes im Hause A Liquid Landscape an?

Das Hauptaugenmerk liegt definitiv auf der Promotion des Albums und so viele Gigs wie möglich zu spielen. Unsere Tour-Pläne sind natürlich kein Geheimnis, aber wir wollen zunächst die Reviews abwarten. Wir sind für jede Support-Show einer größeren Band dankbar. Wir wollen uns auch stärker auf den deutschen Markt konzentrieren. Du bist bereits der sechste Interviewer aus Deutschland.

Nicht ganz. Wir sind ein österreichisches Magazin.

Du bist aus Österreich?! Wow!

Genau. Ein Land mehr, auf das ihr euch konzentrieren könnt.

(lacht) Großartig! Wir wollen uns wirklich mehr auf den deutschsprachigen Raum einschießen, weil der Markt für diese Art von Musik einfach größer ist als hier in Holland.

Im Namen von Demonic-Nights bedanke ich mich für das Interview, wünsche euch viel Erfolg und hoffe euch bald auf österreichischen Bühnen zu sehen.

Nein, ich danke dir. Vielleicht trinken wir mal ein Bier zusammen.

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