Tidal Wave – Volume Tree

(c) Tidal Wave / Ripple Music
Der rifflastige Geheimtipp Tidal Wave setzt einmal mehr zum Sprung an. Auf ihren ersten beiden Alben erarbeiteten sich die Schweden ihren Sound zwischen Stoner Rock, Fuzz und einer gesunden Portion Metal. Exakt da macht das Quartett aus dem hohen Norden nun weiter und versteht seinen neuesten Longplayer als Bündelung ihrer kreativen Kräfte. Die dritte Platte heißt „Volume Tree“, wurde in drei unterschiedlichen Studios aufgenommen und von drei verschiedenen Tontechnikern abgemischt, um jedem Track seine eigene besondere Atmosphäre zu verleihen. Nun denn.
Dass „Earth“ richtig schön erdig klingt und sich zugleich vor Black Sabbath verneigt (die selbst ursprünglich Earth hießen), passt wunderbar ins Bild. Metallische Heavyness, nahezu doomige Schwere, mächtige Riffs und finstere Atmosphäre beschreiten einen Hauch von Neuland, ohne sich komplett vom bisherigen Schaffen zu entfernen. Alexander ‚Sunkan‘ Sundqvist liefert eine gesangliche Meisterleistung ab, der etwas flottere Schlussakt startet so richtig durch. Auch „Skitliv“ liebt beklemmende Reduktion, paart diese jedoch mit deutlich lichteren Momenten und gibt sich ab und an geradezu hymnisch – ein kleines, dynamisches Kunstwerk, das man sich erst erarbeiten muss.
Derlei Geduld lohnt sich natürlich, auch in vergleichsweise frontalen, aggressiven Songs wie „Shapeshifter“. Es braucht nur etwas mehr als dreieinhalb Minuten, um mit Stoner-Doom-Riffing und frontalem Druck abzuräumen. Die magische wie manische Süße des Openers „The Orb“ treibt den Fokus auf klassischere metallische Gefilde voran und hebt mit einem mächtigen, herrlich verspielten Gitarrensolo ab. „Temples Of Humanity“ versucht schließlich die Brücke zu früheren Alben von Tidal Wave zu schlagen, jedoch mit weniger Desert-Fokus. Wüste Intensität und metallische Dramaturgie im XXL-Format machen sich breit.
Zwar wäre es etwas sehr übertrieben, von einer anderen Band zu sprechen, doch haben sich Tidal Wave hörbar entwickelt und ihren Fokus verschoben. Bestens vertraute Stoner-Riffs spielen weiterhin eine wichtige Rolle, werden nun aber wesentlich konzentrierter in metallische Gefilde eingebettet. Die Proto-Ursuppe schwimmt mit, klassische Heavy-Gestik trifft auf Doom-Schwere und rückt Sundqvists Stimme mehr denn je ins verdiente Rampenlicht. „Volume Tree“ wagt sich etwas weiter hinaus und landet damit einen Volltreffer. Der Fokus auf Atmosphäre, auf sehr eigene und auf Albumlänge dennoch prima harmonierende Stimmen klappt zudem richtig gut. Spätestens jetzt sollten die Schweden endgültig angekommen sein.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 05.06.2026
Erhältlich über: Ripple Music (Bertus)
Facebook: www.facebook.com/TidalWaveSWE


Letzte Kommentare