Avertat – Dead End Life

(c) Mike Schubert
Vor zwei Jahren verließ Gitarrist Sebastian Görlach Décembre Noir und suchte nach einem kreativen Neustart, wollte zur Essenz dessen zurückkehren, was ihn einst zum Metal brachte. Avertat bringen den holistischen Ansatz seiner früheren Band mit den eigenen musikalischen Wurzeln zusammen. Es geht weiterhin um Death Doom im weitesten Sinne, um Finsternis, Aussichtslosigkeit, Wucht und schonungslose Ehrlichkeit. Den Gesang übernimmt Enrico Langguth, der keinen Metal-Background hat, was man allerdings dazusagen muss. „Dead End Life“ sorgt mit Anlauf für beklemmende Furore.
Der Vorbote „[7]“ bringt diesen eigentümlichen und doch gewissermaßen vertrauten Ansatz auf den Punkt. Nach einem ellenlangen, filigranen Intro legen wütende, dynamische Drums und unbequem sägende, singende Gitarren los. Langguths Clear Vocals fallen im besten Sinne aus dem Rahmen, tragen große Gefühle in jeder Note und glänzen zudem durch Vielseitigkeit. Görlach kümmert sich um die Growls und komplettiert den mächtigen Mix. Das war aber bestenfalls der Anfang, denn mittendrin stellt das Duo den Track auf den Kopf, erhöht das Tempo gewaltig und setzt auf überwiegend wütenden (Melodic) Death Metal, der alles zu Kleinholz verarbeitet. Kurze Verschnaufpausen täuschen über den eigentlichen Wahnsinn hinweg.
Und der breitet mehr und mehr seine unheilvollen Fänge aus. Majestätisch rollt beispielsweise der Gigant „My Blood“ an, tankt sich zunächst durch beklemmenden Dark Metal, der mit dichten Wolken die Sonne verhüllt und doch auf erstaunliche Weise zu funkeln vermag. Zwar sorgen die Growls wiederholt für die etatmäßige Härte, doch glänzt dieser Monolith vor allem durch die ganz feine Klinge. Im direkten Anschluss schraubt „The Sea“ den Härtegrad deutlich nach oben, packt Blasts en masse aus und wirkt auf melodischer Seite erstaunlich unterkühlt. Auch diese Facette steht Avertat gut zu Gesicht.
Knapp 40 Minuten lang vermag das Duo zu glänzen. Natürlich drängen sich gewisse Vergleiche mit Décembre Noir auf, keine Frage, aber auch mit Giganten wie Swallow The Sun und The Man-Eating Tree. Die Summe der einzelnen Teile macht richtig viel her – mehr als ordentliches Songwriting, gekonntes Spiel mit Emotionen und Stimmungen, dazu feine Growls und ein verdammt guter Sänger. „Dead End Life“ fällt zugleich brachial und unnahbar aus, aber auch intim und filigran, begleitet von unzähligen Zwischenstufen. Death Doom für Fortgeschrittene inklusive Blick über den Tellerrand – ein mehr als vielversprechender Einstand.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 24.04.2026
Erhältlich über: Lifeforce Records (SPV)


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