La Dispute – No One Was Driving The Car

| 5. September 2025 | 0 Comments
La Dispute

(c) Martin

Die Isolation setzte La Dispute, speziell Frontmann Jordan Dreyer, besonders stark zu. So mussten die großen Geschichtenzähler des Post-Hardcore auf die Präsenz der Bandeinheit verzichten, eine große Belastung für das soziale Gefüge. Als man endlich wieder gemeinsam Musik machen konnte, erhielten zwei Klassiker Tourneen zum jeweils zehnjährigen Jubiläum, bevor man sich aktiv auf den Nachfolger von „Panorama“ stürzte, das inzwischen sechseinhalb Jahre auf dem Buckel hat. Offensichtlich war dies der richtige Ansatz, denn „No One Was Driving The Car“ – einem Zeitungsbericht über einen Todesfall durch ein selbstfahrendes Auto entnommen – nistet sich in anspruchvollen höchsten Höhen ein.

In 14 Kapiteln, größtenteils bereits in digitalen EP-Paketen vorab veröffentlicht, setzt man sich intensiv mit dem Streben nach Sicherheit und Behaglichkeit in einer unsicheren, chaotischen Zeit auseinander. „I Shaved My Head“ stiftet Unwohlsein im Rekordtempo, durch Dreyers beklemmende Schreie, den pulsierenden Basslauf und schließlich das wütende Chaos, stets der kompletten Eskalation nahe. Danach erhöht „Man With Hands And Ankles Bound“ erst einmal das Tempo und die Abgründigkeit des Seins an sich. Wie die Titelzeile aus der Band herausbricht, während ein Meer an Distortion unter die Oberfläche dringt, ist ebenso großes Kino wie das erst tanzbare, dann krachende, zermürbende „Landlord Calls The Sheriff In“, dem permanenten Scheitern nah.

Überhaupt erweisen sich La Dispute auf ihrem fünften Album als Meister der aufwühlenden Geschichten, die jede Silbe zur ermattenden Geste machen und das Seelenkonstrukt damit komplett aus den Fugen kippen. Die wahnwitzige achtminütige Abhandlung einer von Telefonen und Bildschirmen gestörten Balletaufführung, „Top-Sellers Banquet“, bringt die präzisen Monologe von Self Defense Family mit Art Rock und erschüttendern Post-Hardcore-Eruptionen zusammen. Im noch längeren „Environment Catastrophe Film“ klopft die Zerstörung am Fenster und lässt Dreyer im Finale komplett eskalieren. Das gelingt auch in „I Dreamt Of A Room With All My Friends I Could Not Get In“, vergleichsweise kompakt und in seinem Spiel mit semi-idyllischer Ebbe und katastrophaler Flut geradezu monumental.

Natürlich brauchte es viel Geduld, bis La Dispute diesen neuen Longplayer aus dem Ärmel schütteln konnten, doch macht sich diese mehr als bezahlt. Über eine Stunde lang erreicht das ohnehin grandiose Storytelling ein neues Niveau, strahlt das Songwriting mit Art- und Avantgarde-Anspruch um die Wette, ohne jedoch das gerne mal lärmende, nosige Chaos zu vergessen. Binnen Sekunden findet man sich im schwer zu beschreibenden musikalischen Sog des Quintetts wieder und staunt über narrative Husarenritte, arrangierte Urgewalt und feine Abhandlungen über große Themen. „No One Was Driving The Car“, doch La Dispute sitzen fest am Steuer – ein weiterer Beleg für die konkurrenzlose, atemberaubende Größe der Band.

Wertung: 9/10

Erhältlich ab: 05.09.2025
Erhältlich über: Epitaph Records (Indigo)

Facebook: www.facebook.com/LaDisputeMusic

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Category: Magazin, Reviews

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