Lost In Kyiv – We’re All Going To Be Fine

| 18. Juni 2026 | 0 Comments
Lost In Kyiv

(c) Pelagic Records

Etwas anderer Name, etwas andere Vorzeichen: Lost In Kiev heißen nun Lost In Kyiv – eine Schreibweise, die sie selbst bereits seit einiger Zeit verwenden. Nach dem Einstieg von Drummer Jérémie Legrand sowie insgesamt mehr Heavyness und Düsternis im Songwriting, das sich für die vier Franzosen viel zu lang gezogen hat, fühlte man sich wie eine neue Version der eigenen Truppe. Man ist immer noch die gleiche Band, möchte aber zugleich den Beginn einer neuen, lauteren und metallischeren Richtung signalisieren. „We’re All Going To Be Fine“ bewegt sich als Albumtitel irgendwo zwischen Beschwichtigung und leichtem Anflug von fatalistischem Zynismus.

Von vertrauten Post-Rock-Klängen und elektronischen Einflüssen distanziert sich das Quartett keinesfalls, legt nun aber mehr Wumms und mehr Druck an den Tag. „Eclipse“ ist ein gutes Beispiel für die verfeinerte Ausrichtung, beginnt vergleichsweise ruhig und doch brodelnd, angelehnt an den vertrauten Sound. Bevor man jedoch komplett in elektronisch geleitete Gefilde abdriftet, übernehmen kraftvolle Gitarren und die monolithische, zunächst stoische Rhythmusabteilung das Kommando. Mehr Heavyness kollidiert mit einem suchenden Leitmotiv, das bemüht ist, den hohen Wellengang schadlos zu überstehen, und im ausgedehnten Finale letztlich doch die Oberhand behält.

Es sind deutlich intensivierte narrative Qualitäten wie diese, die Lost In Kyiv aktuell auszeichnen. Rebecca Need-Menear von den fantastischen i Häxa überrascht mit Gast-Vocals in „Becoming“ – eine gleichermaßen ätherische und kunstvolle wie wütende und nahezu erdrückende Erfahrung. Das erinnert im besten Sinne an frühe Long Distance Calling mit Gesangsexperimenten. Die singende Gitarre von „Liminality“, die in zwischenzeitliche Uptempo-Attacken umschlägt, ist mindestens so stark, wenngleich auf komplett andere Weise. Und auch das explosive, scharfkantige, dennoch dezent harmoniebedürftige Hauptriff von „Burst“ brennt sich wieder und wieder im Kleinhirn ein, umgeben von unerwarteter Aggression und greifbarer Finsternis.

Lost In Kyiv klingen stellenweise tatsächlich wie eine andere Band und das ist gar nicht mal so verkehrt. Die bewusst rohe, ungeschliffene und doch feinsinnige Härte steht den Franzosen bestens zu Gesicht. Was auf den ersten Blick mit bloßer Wucht zu erschlagen droht, glänzt letztlich durch sein feines Händchen, durch wunderbare Intensität und das nötige Fingerspitzengefühl, das auf den Vorgängern in ruhigeren, synthetisch angehauchten Gefilden aufblühte. „We’re All Going To Be Fine“ ist Statement, Neustart und Generalüberholung in einem, reißt ab der ersten Sekunde mit und könnte das Tor zu neuen Sphären sein. In dieser Form sollte das nur eine Frage der Zeit sein.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 19.06.2026
Erhältlich über: Pelagic Records

Facebook: www.facebook.com/lostinkyiv

Teile diesen Artikel

Tags: , , , , ,

Category: Magazin, Reviews

Demonic-Nights.at - AKTUELLES