Ten East / SoftSun – Turned To Stone Chapter 10

(c) Ripple Music
Die mittlerweile legendäre Split-Serie „Turned To Stone“ geht in die nächste Runde und bringt zwei Bands zusammen, die kaum enger miteinander verbunden sein könnten. Bei beiden bilden Gitarrist Gary Arce (Yawning Man) und Bassistin / Sängerin Pia Isaksen (Superlynx) das Rückgrat. Nach den Aufnahmen für den SoftSun-Einstand „Daylight In The Dark“ (Drummer Dan Joeright ist auch Teil dieses Trios) waren noch ein paar Songs übergeblieben. Arce schlug vor, diese als Split mit einem anderen seiner Projekte zu veröffentlichten. Dafür reaktivierte er nach fast einem Jahrzehnt Ten East, holte sich Yawning Man-Drummer Bill Stinson ins Boot und ließ Isaiah Mitchell von Earthless weitere Gitarrenparts einspielen. Das Ergebnis liegt nun als „Turned To Stone Chapter 10“ vor.
Ten East erinnern ein wenig an das, was man auf bislang drei – demnächst vier – Alben von Yawning Balch hören dürfte. Die gemächlichen, rein instrumentalen Meditationen über Transistor-Party-Chic führen durch zeitlose Weiten. Der Zehnminüter „First Light“ hat tatsächlich etwas vom gemächlichen Sonnenaufgang inmitten der Wüste, wenn die starre Nacht langsam, aber sicher dem hellen Leben weicht und erste Betriebsamkeit einsetzt. Hingegen funkelt „Slow Motion War“ regelrecht, gibt sich schillernd und psychedelisch. Die Lead-Gitarre steuert wiederum direkt in Desert-Rock-Gefilde und tankt sich durch schemenhaftes Stottern mit erstaunlicher Anmut.
Auf SoftSun-Seite gibt es hingegen so etwas wie den Missing Link zwischen dem Debüt und „Eternal Sunrise“. Drei Kapitel lang geht das Trio seinen Weg unbeirrt weiter. In „Nowhere Else“ taucht Isaksens Stimme aus den Tiefen des Arrangements auf, mit ein paar Effekten versehen, und wirkt wie eine Luftspiegelung. Das passt zum angenenhm unwirklichen und doch drückenden Auftreten, das in „Open Shelter“ eine zurückgenommene Fortsetzung findet. Etwas Melancholie hier, ein Hauch Traumwandlerei da – selten klang emotionale Schwere derart leichtfüßig. Hingegen macht „Emotional Overdrive“ seinem Namen alle Ehre. Isaksen wählt tiefere Register und legt den Grundstein für eine geradezu spirituelle Erfahrung inmitten kompletter Desert- und Psych-Entschleunigung.
Das Aufeinanderprallen zweier Welten, die alles andere als weit voneinander entfernt sind, gelingt laut und deutlich. Wüste, zurückgelehnte und psychedelische Eigentümlichkeit steht natürlich im Mittelpunkt dieser Split; alles andere wäre angesichts der beteiligten Personen eine dicke Überraschung gewesen. Während SoftSun ihren Weg mit Shoegaze- und Doomgaze-Einschlag weitergehen, besinnen sich Ten East auf fast puristische Wüsten-Psychedelia mit doppeltem Boden, mit feinen unerwarteten Wendungen und dem etatmäßigen Verharren im Nirgendwo. „Turned To Stone Chapter 10“ setzt eine starke Reihe ebenso mächtig fort und lädt dazu ein, der Wirklichkeit für 40 Minuten zu entfliehen.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 03.04.2026
Erhältlich über: Ripple Music
Ten East: www.facebook.com/teneast
SoftSun: www.facebook.com/people/SoftSun/61557870166741


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