Lantlos – Nowhere In Between Forever

| 2. April 2026 | 0 Comments
Lantlos

(c) Dan Trautwein

Es erscheint heute geradezu abstrus, dass Lantlos je etwas mit Black Metal am Hut hatten, veränderte sich der Sound in den letzten Jahren doch so dramatisch. Mit „Wildhund“ ging es im Sommer 2021 sogar erstmals in die Top 20 der deutschen Album-Charts. Markus ‚Herbst‘ Siegenhorst hält aber nichts davon, den Kurs einfach nur beizubehalten, sondern treibt die permanente Metamorphose weiter voran. Ein glitzernder, schimmernder Gruß an die 90er Jahre geht in Form von „Nowhere In Between Forever“ hinaus.

Und der kann schon mal richtig schön schräg ausfallen, wie im Kaleidoskop-Stomp von „Numb TV Superstar“, der stellenweise wie eine noisige Shoegaze-Version von „Ray Of Light“ klingt, herrlich bunt, überdreht und überzeichnet. Der doppelte Boden lässt jedoch wenig Raum für Glückseligkeit. In „Daisies“ ist es ein kantiges, furioses Riff mit metallischer Schlagseite, das grandios mit dem hemmungslosen Pop-Bewusstsein der Vocals kollidiert. Pure Eingängigkeit trifft auf rohe, schroffe Energie – eine gelungene Mischung zwischen Ohrwurm und leichter Weirdness. Davon hat auch das kurze, aber prägnante „AutoGuard“ mehr als genug im Gepäck. Drum’n’Bass-Beat trifft auf hektische Melodien.

Zu den Highlights der anderen Sorte zählt „Clockworks“, eine sympathische Deftones-Hommage zwischen durchdringender Wucht und trippigen Vocals. Die gemächliche Entfremdung mit Metal-, Alternative- und Shoegaze-Einschlag macht Laune, die schiere Wucht erdrückt förmlich. „Planets“ könnte der marginal besser gelaunte kleine Bruder sein, mit etwas mehr Tempo und doch greifbarer Schwere. Deutliche Ermattung kollidiert mit einer mächtigen Melodie. Ein ähnliches Rezept wendet „Oxygen“ an, bloß schnell, peitschend bis punkig vorgetragen – eine Form von Hektik, die Lantlos gut zu Gesicht steht. Das wunderbar zermürbende und unverschämt eingängige „Windhunter“ macht das Licht aus und erdrückt mit dem vielleicht besten Soundwall der gesamten Platte.

Ja, das war tatsächlich noch einen Tacken wilder und vielschichtiger als zuletzt. „Nowhere In Between Forever“ ist eine richtig schön bunte, auf schönste Weise unvorhersehbare Platte geworden, die doch wieder und wieder zu überraschen weiß. Die erstaunliche Härte neben gefühlvoller Magie reißt mit, baut mächtigen, gewaltigen Druck und verliert sich im nächsten Moment in endlosen, luftigen Weiten. Atmosphäre ist eines der wichtigsten Buzzwords dieses Album, denn was hier in sympathischer Gesamtheit und Kompaktheit entsteht, macht richtig viel Laune. Diese weitere kleinere Häutung bekommt Lantlos hörbar gut.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 03.04.2026
Erhältlich über: Prophecy Productions

Facebook: www.facebook.com/lantlos

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Category: Magazin, Reviews

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